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Dissertationen 2014

Dipl. Dr.theol. Tomo Čubela

Kroatien und der letzte Schicksalsschlag - Aggressionskrieg 1991 - 1995 mit seinen Folgen in Bezug auf Migration und Integration.

Begutachter:

Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold, Univ.-Prof. DDr. Walter Schaupp

 

Abstract

Die Kroaten sind seit jeher ein Wanderungsvolk, sie zogen umher, um eine Heimat zu finden und sie wurden immer wieder vertrieben, durch Kriege oder auf Suche nach Arbeit und günstigen Lebensbedingungen. Der Einbruch der Osmanen in ihre Heimat, der Zweite Weltkrieg und der Krieg von 1991 bis 1995 sind Besondere Auslöser für erzwungene Auswanderung und die Notwendigkeit der Suche nach Integration. Es gibt ja verschiedene Ursachen für Migrationen. Die Unterscheidung verschiedener Typen ist wichtig für eine Unterscheidung der Bedingungen für Integration. Es ist etwas anderes, wenn Vertreibung mit dem Wunsch nach Rückkehr verbunden ist, als wenn die Perspektive auf dauernden Wohnortwechsel gerichtet ist. Für die Kroaten, die im Krieg 1991 – 1995 flüchten mussten, stand die baldige Rückkehr in ihr Heimatland im Mittelpunkt des Denkens, die Schwierigkeiten zurückzukehren aufgrund des Verlustes des Hauses, der Arbeit und der Schwierigkeit, eine neue Wohnstätte, die in vielen Fällen nicht mehr die vor dem Krieg sein konnte, weil das Gebiet von anderen Ethnien besetzt blieb, lenkte den Blickwinkel auf dauernden Aufenthalt im Aufnahmeland. Aufgrund der ähnlichen Kultur und der gleichen Religion war für Kroaten in Österreich die Integration nicht schwer, wiewohl das Erlernen der Sprache oder das Einbinden in neue soziale Bedingungen Hindernisse für eine Integration darstellen. Die kroatischen Missionen der katholischen Kirche Kroatiens bildeten dabei einen wichtigen Integrationsfaktor. In der Kirche fanden und finden die Kroaten Beheimatung auch in der Fremde. Dabei steht das Wirken der Kirche in der Spannung der Ermöglichung der Rückkehr und der realistischen Perspektive auf Eingliederung.

DDr.in phil. Lisa Kienzl MA

Religion and Masculinity. An Interpretation of Eric Kripke's SUPERNATURAL as Grand Narrative.

Begutachterin:

Ao. Univ.-Prof. DDr.in Theresia Heimerl, Dr. Stacey Abbott (London)

 

Abstract

Die US Amerikanische Fernsehserie SUPERNATURAL (Genre: Horror/Fantasy/Drama), die seit 2005 von Eric Kripke produziert wird, spiegelt die Transformation und Mediatisierung vorrangig jüdisch-christlicher religiöser Elemente und deren Beziehung zur Darstellung von Männlichkeit auf der visuellen Ebene aber auch im Narrativtext wider. Diese Bedeutungsebenen von Bild und Text wurden qualitativ im Sinne von Peirces' Überlegungen zur Semiotik untersucht. Es ist generell von einem Zusammenhang zwischen der Mediatisierung religiöser Elemente und der Darstellung von Maskulinität in SUPERNATURAL auszugehen. Dabei fördern jüdisch-christliche Versatzstücke wesentlich patriarchal-hegemoniale Elemente in der Darstellung von Männlichkeit. Die hierbei zwischen den unterschiedlichen Männlichkeitsbildern entstehenden Differenzen, Schnittpunkte und Gemeinsamkeiten zeigen einerseits die Spannungsfelder moderner Inszenierungen von Männlichkeit auf, sowie behandeln aktuelle Fragen in Bezug auf Geschlecht und Identität. Insbesondere in der internationalen Fankultur zeigt sich ein interaktiver Diskurs, der beweist, dass religiöse Elemente sowie auch Geschlechterrollen ambivalent aufgenommen werden (d.h. entweder übernommen und weitertradiert oder aber aufgebrochen und dekonstruiert werden). Die Mediatisierung von religiösen Elementen und ihre Transformation in moderne (visuelle) Narrative zeigen, dass kein Rückgang sondern eine Veränderung des Zugangs zur Religion zu erkennen ist. Das Bedürfnis nach mystischen, religiösen und spirituellen und damit auch großen Erzählungen im Sinne Lyotards hat weiterhin Bestand. Dahingehen ist festzuhalten, dass die angebliche Unglaubwürdigkeit dieser Meta-Erzählungen, meiner Erkenntnis nach, in Teilen der Populärkultur zumindest wieder aufgehoben wurde.

Dr.phil. Norbert Pichler MA

Das Motiv des Zwillings oder Doppelgängers. Hermeneutische Überlebensübungen des fragmentierten Menschen in der Gnosis und Moderne.

Begutachter/in:

Ao. Univ.-Prof. DDr.in Theresia Heimerl, Em.Univ.-Prof. Dr. Karl Woschitz

 

Abstract

Die Begegnung mit Zwillingen löst in jedem Fall Assoziationen der Umwelt aus, die sich nicht ergeben hätten, gäbe es Zwillinge nicht. Individualität, Personalität und Selbstbestimmung werden in Frage gestellt, wenn plötzlich nicht mehr klar ist, wie man wird, bzw. was man ist. In dieser Arbeit wird sprachlichen Motiven des Zwillings bzw. in weiterer Folge des Doppelgängers aus gnostisch-manichäischen Originaltexten nachgespürt, um sie neben Textausschnitte von Peter Handkes „Die Wiederholung“ zu stellen. Ziel ist es, einen tieferen Einblick in die Eigengesetzlichkeiten der literarischen Sprache und in den kreativ-sprachlichen Umgang mit der Erfahrung von menschlicher Fragmentiertheit zu ermöglichen, die auch über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten in jeweils ihrer eigenen Epoche intensiv erfahren wird. Die Texte aus den gewählten Zeiträumen erhellen sich durch die Nebeneinanderstellung gegenseitig: Gnostische Erfahrungswelten treten durch die Reflexion mit Texten der Moderne klarer hervor, während umgekehrt die Beständigkeit von Motiven aus der Spätantike in der Gegenwartsliteratur auf deren Durabilität hinweist, ohne dass eine historische Abhängigkeit angenommen werden muss. Im ersten Teil erfolgt ein historischer Abriss zum Thema „Zwilling“ im AT und in der griechisch-lateinischen Antike, der von einem religionswissenschaftlichen Überblick über Gnosis und Manichäismus sowie einer Analyse und Beschreibung von Metaphern vorwiegend vor dem Hintergrund gnostischer Mythen vervollständigt wird. Im zweiten Teil werden in einer Synopse gnostische Textausschnitte der epischen Erzählung „Die Wiederholung“ von Peter Handke zur Seite gestellt und motivisch bezüglich Fragmentarität des Menschen, Verhältnis von Sprache und Mensch sowie dem Motiv des Zwillings bzw. Doppelgängers befragt.

Dipl.theol. Dr.theol. Ivan Podgorelec

Die Gestalt Mariens in Barths Marienrede. Stellung, Aufgabe und Bedeutung Mariens im Heilsplan Gottes bei Karl Barth.

Begutachter:

O. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Körner, O. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Larcher

 

Abstract

Unsere Dissertation untersucht Karl Barths Rede über Maria und die Mariologie. Aus chronologisch aufgelisteten marianischen Textstellen im literarischen Werk Barths ergibt sich die positive Antwort auf die Frage, ob man bei Karl Barth als reformiertem Theologen überhaupt genügend Material für eine Dissertation über die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria finden kann. Die chronologische Auflistung der marianischen Textstellen ist für die leichtere Verfolgung und die präzisere Feststellung der Entwicklung und Wandlung von Barths Marienrede ebenso von entscheidender Bedeutung. Systematisch wird auf die Gestalt, Stellung, Aufgabe und Bedeutung Mariens im Heilsplan Gottes in Barths Rede über Maria und die Mariologie hingewiesen. Barths Aussagen über Maria befinden sich an dem Knotenpunkt seiner christologischen Theologie. Barth redet über Maria vor allem, weil die Lehre von der Inkarnation Maria aufs Engste einschließt. In Barths Marienrede ist neben der Jungfrauengeburt ebenso die Gottesmutterschaft Mariens als Fundamentalsatz des Christentums zu betrachten. Mit seiner energischen Verteidigung der Jungfrauengeburt Jesu spricht er sich unmissverständlich für die JungfräŠulichkeit Mariens in der Empfängnis aus. Die virginitas in partu et post partum bekennt er allerdings nicht. Barth redet über Maria freilich nicht ausschließlich nur innerhalb des Themenkreises der Menschwerdung, sondern auch in verschiedenen Kontexten der ständigen Auseinandersetzung mit der katholischen Theologie. Aus dem ständigen Gespräch mit der katholischen Theologie erwächst seine scharfe Kritik an der Mariologie. Die ganze Mariologiekritik nimmt Barth aber mit der Äußerung, dass man die Frage der Mariologie theologisch doch noch nicht aufgearbeitet hat und dass man sie evangelischerseits von Anfang an durchdenken muss, zurück. Ergibt sich damit aus Barths Marienrede nicht ein beachtenswerter Impuls für die Annäherung im ökumenischen Gespräch zwischen den Protestanten und der Katholischen Kirche in der, auch von Barth öfters angesprochenen als schwierigsten, Marienfrage?

Dr.theol. Johannes Sauseng

Militärische Interventionen als humanitäre Interventionen. Ethische Aspekte humanitärer Interventionen.

Begutachter:

Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold, Univ.-Prof. DDr. Walter Schaupp

 

Abstract

Seit Beginn der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts kommt es in vielen Staaten der Welt zu kriegerischen Auseinandersetzungen, mit denen massive Menschenrechtsverletzungen einhergehen. Andere Staaten oder Staatenbündnisse versuchen diese Konflikte schlimmstenfalls mit Waffengewalt zu beenden und greifen somit in die Souveränität fremder Staaten militärisch ein. Ein solches Eingreifen trägt den Titel humanitäre Intervention, da es der Beendigung der Menschenrechtsverletzungen dient. In dieser Arbeit wird die Problematik humanitärer Interventionen erörtert. Der biblische Befund zeigt, dass die Anwendung von Gegengewalt durchaus gerechtfertigt sein kann, wenn sie zur Minimierung oder Abwendung von Gewalt notwendig ist. Das kirchliche Lehramt setzt sich auch mit der Problematik des militärischen Eingreifens in die Souveränität fremder Staaten auseinander und kommt zum Schluss, dass nicht nur mehr der Verteidigungskrieg, sondern auch humanitäre Interventionen erlaubt sein können. Innerhalb der katholischen und evangelischen Kirche Deutschlands kommt es zu einem Paradigmenwechsel, wonach nicht mehr der gerechte Krieg, sondern der gerechte Friede im Mittelpunkt der friedensethischen Überlegungen steht. Die traditionellen Kriterien von der Lehre vom gerechten Krieg bilden einen nützlichen Rahmen, um zu beurteilen, inwieweit humanitäre Interventionen gerechtfertigt sein können. Aufmerksamkeit muss bei der Beurteilung solcher militärischer Eingriffe auch der Zeit danach geschenkt werden.

Dr. Dr.theol. Peter Schipka

Individualethik des Rechts. Ein evangelisch-katholischer Vergleich anhand ausgewählter Ansätze

Begutachter:

Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold, Univ.-Prof. DDr. Walter Schaupp

 

Abstract

In dieser Dissertation wird die Stellung des Rechtssubjekts in paradigmatischen theologischen Konzepten der Rechtsethik evangelischer und katholischer Prägung der vergangenen zwanzig Jahre untersucht und verglichen. Gemeinsam ist den Ansätzen der Versuch, eine Rechtsethik zu entwerfen, die mit der Pluralität moralischer Überzeugungen innerhalb eines weltanschaulich neutralen Staates sensibel umgeht. Konfessionelle Unterschiede finden sich insbesondere in der Rechtsbegründung. Während katholische Ansätze naturrechtlich geprägt sind, stehen evangelische Konzepte dem Rechtspositivismus nahe. Die Zwei-Reiche-Lehre Martin Luthers und die reformatorische Rechtfertigungslehre bilden dafür den theologischen Hintergrund. Leitend ist in dieser Untersuchung eine individualethische Perspektive. Auch hier ist ein konfessioneller Unterschied festzustellen. Evangelische Autoren betrachten das Subjekt nämlich vorwiegend als Rechtsunterworfenen. Sie gehen daher von der Pflicht zur Loyalität dem Recht gegenüber aus und fragen gegebenenfalls nach den Voraussetzungen legitimen Widerstands. Katholische Autoren suchen hingegen nach den Voraussetzungen für die richtige Gestaltung des Rechts durch das Subjekt und stellen sowohl implizit als auch explizit dessen Mitverantwortung für die Rechtsentwicklung in den Mittelpunkt. Mit den beiden konfessionell bedingten Schwerpunkten ist jedoch nicht notwendigerweise die Formulierung eines Gegensatzes verbunden. Vielmehr sind alle angeführten Verhaltensweisen (Loyalität, Mitverantwortung, Widerstand) für eine Rechtsethik aus individualethischer Sicht bedeutsam. Daher wird die These formuliert, dass es auch innerhalb der Rechtsethik einen differenzierten Konsens geben kann. Damit wird die im Zusammenhang mit der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999 entstandene Figur ökumenischer Verständigung weitergeführt.

Dr.theol. Uwe Traeger

Psalm 23,2 "Er lässt mich lagern auf einer Weide mit jungem, frischem Grün; er lässt mich ausruhen an einem Ruheplatz am Wasser." Wellness als Chance für die kirchliche Praxis.

Begutachter:

Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold, Univ.-Prof. Dr. Basilius Groen

 

Abstract

Wer an Wellness denkt, verbindet in der Regel Wellness mit Urlaub und Freizeit, Thermen und Saunen, Massagen und Kosmetik, Wellnesshotels und schönem Leben. Aber Wellness kann auch mit diesen Assoziationen mit dem christlichen Glauben verbunden werden. Denn für beide ist das Wohlbefinden und Wohlgefallen der Menschen sehr wichtig. Gott hat seine Schöpfung den Menschen auch zum dankbaren Genießen anvertraut. Wellness ist ein schöner und guter Teil des menschlichen Lebens. Daher werden von Wellness konkrete Chancen, Handlungsfelder und Beispiele für die praktische Arbeit einer Pfarrgemeinde abgeleitet, die zeigen, dass auch der christliche Glaube schön und gut ist und so wie Wellness dankbar und wertschätzend genossen werden möchte, und die auch zeigen, dass diese Chancen zum Wohlbefinden und Wohlgefallen der Menschen beitragen. Das Verständnis von Wellness wird von der Lebenskunstphilosophie abgeleitet. Eine ausführliche empirische Erhebung und Befragung beschäftigt sich mit der Bedeutung von Wellness. Es folgen Ausführungen über drei Bilder aus Psalm 23, 2, die für Wellness sehr bedeutend sind: Natur, Ruhe und Wasser. Schließlich werden sieben Chancen von Wellness für die kirchliche Praxis beschrieben: eine spirituelle Wanderung, eine Stilleübung im Religionsunterricht, eine Meditation im Thermal–Römerbad, der Gottesdienst Auszeit, Anregungen für schöne Gottesdienste und Kirchenräume, die Dialogreihe Impuls am Berg und das näfäsch–Hotel – Raum für Balance und Lebensfreude.

Dr.phil. Peter Wiesflecker, LL.M. MAS MA

"...man erwartet von Euch keine Heiligen..." Struktur und Transformation geistlicher Frauengemeinschaften im 19. und 20. Jahrhundert am Beispiel der Grazer Karmelitinnen, der Benediktinerinnen von St. Gabriel und der Vorauer Marienschwestern.

Begutachter/in:

Ao. Univ.-Prof. DDr. Theresia Heimerl, Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold

 

Abstract

Die Arbeit hat die Entwicklung von drei geistlichen Frauengemeinschaften der Steiermark, der Grazer Karmelitinnen, der Benediktinerinnen von St. Gabriel (1919 bis 2008 auf Burg Bertholdstein bei Fehring) und der 1865 als Hausgemeinschaft gegründeten und 1928 als kirchliche Kongregation bischöflichen Rechts eingerichteten Vorauer Marienschwestern, die diese seit der zweiten Hälfte des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts genommen haben, zum Inhalt. Dabei wird nicht nur die Geschichte der einzelnen Kommunitäten aus historischer und kirchenhistorischer Perspektive erfasst, sondern auch der Struktur der einzelnen Konvente und dem Wandel, den diese Gemeinschaften, insbesondere im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, durchlaufen sind, ein besonderes Augenmerk gewidmet und auf Fragestellungen, die der wissenschaftliche Diskurs der beiden letzten Jahrzehnten aufgeworfen hatte, wie die sogenannte Säkularisierungsthese, den „Aktionsraum“ Religion und dessen Strukturierung und Konnotierung sowie den postkonziliaren Transformationsprozess in geistlichen Frauengemeinschaften, eingegangen. Weitere Schwerpunkte bilden Untersuchungen zu den Mitgliedern der drei Kommunitäten nach prosopographischen Kriterien und die Darstellung des normativen Regelwerks, das den monastischen Alltag der einzelnen Gemeinschaften fixierte und dem die idealtypische Lebens- und Alltagsordnung der einzelnen Gemeinschaft entnommen werden kann, in dem sich „geweihtes Leben“ vollzog. Anhand ausgewählter Aspekte des – im weitesten Sinn – monastischen Alltags werden normative Ansprüche und deren Umsetzung, Über-einstimmung und Diskrepanz, grundgelegte Charismen, postuliertes wie kultiviertes Selbst-verständnis, Wandel und Brüche, Positionierungen und Neupositionierungen untersucht und dargestellt.  

Dr.theol. Franz Zessner-Spitzenberg

Vergessen und Erinnern. Menschen mit Demenz feiern Gottesdienst im Pflegeheim.

Begutachter:

Univ.-Prof. Dr. Basilius Groen, Ao. Univ.-Prof. Dr. Johann Pock

 

Abstract

Als neue menschliche Seinsweise bezeichnet der Psychiater Klaus Dörner Demenz. Nicht das Phänomen an sich ist neu, es ist das Ausmaß, vor dem westliche Gesellschaften am Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr die Augen verschließen können. Dabei stellt sich die Frage, was Menschen, die in dieser Seinsweise leben, anderen über das Menschsein zu sagen haben. Einer an den Leitwerten Autonomie und Freiheit orientierten Gesellschaft können sie einen Spiegel vorhalten, der sichtbar macht, welche Illusion in diesen Vorstellungen liegt. Exemplarische Stichworte dazu sind "Sein in der Begegnung" statt Individualismus, höhere Wertschätzung von Emotionalität und Intuition gegenüber einer einseitigen Betonung des Kognitiven, Entlarvung von Identitäts-Konzepten durch die Erkenntnis grundsätzlicher Fragmenthaftigkeit menschlicher Existenz und menschlicher Erinnerung. "Erinnerung" ist ein zentraler Begriff christlicher Theologie und Liturgie. Angesichts der Fragmenthaftigkeit individuellen Erinnerns zeigt sich die besondere Bedeutung der Glaubensgemeinschaft und ihrer anamnetisch geprägten liturgischen Praxis. Dieser Praxis in einem Lebensumfeld, in dem überwiegend Menschen leben, die an Demenz leiden, ist der zweite Teil dieser Arbeit gewidmet. Eine an den Methoden der Feldforschung des Soziologen Roland Girtler orientierte empirische Untersuchung in deutschen und österreichischen Pflegeheimen kommt zum Ergebnis, dass gemeinsame Gottesdienste grundsätzlich nach Stadien getrennten Feiern vorzuziehen sind. Besondere Feiern können eine Ergänzung sein, wenn Menschen aus gut argumentierten Gründen nicht am gemeinsamen Gottesdienst teilnehmen können. Musikalische und andere verschiedene Sinne ansprechende Gottesdienst-Elemente erleichtern Menschen mit Demenz das Mitfeiern. Problematisch sind lange Texte (Lesung, Predigt, Gebete), vor allem ist aber auf Kongruenz zwischen Inhalt und non- bzw. paraverbalen Aspekten zu achten. Menschen mit Demenz sollen in ihren Fähigkeiten, Musik, Sprache und Poesie auf ihre Art zu verstehen, nicht unterschätzt werden. Der dritte Teil dieser Arbeit fragt danach, ob Liturgie Teil eines therapeutischen Programms in Einrichtungen der Altenpflege sein kann. Die Überlegungen münden in die Erkenntnis, dass es das Wesen von Liturgie als Gottesdienst gefährdet, wenn sie verzweckt und instrumentalisiert wird. Gerade als zweckfreies Spiel (Romano Guardini) ermöglicht christliche Liturgie Menschen, deren individuelle Erinnerungen zerfallen, das Eintauchen in ein anamnetisches Feld gemeinsamen Erinnerns.

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