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Dissertationen 2015

Dr.theol. Dr.phil. Christian Feichtinger MA MA

Freie Kirchen - freie Körper? Der Körper als Ressource von Zugehörigkeits- und Grenzziehungsprozessen in zwei österreichischen Freikirchengemeinden.

Begutachterin: 

Ao.Univ.-Prof. MMag. DDr. Theresia Heimerl

 

Abstract

Die Kategorie des Körpers wurde in jüngerer Zeit zunehmend als wesentliches Element in der Erforschung der Religion – sei es religionswissenschaftlich oder theologisch – anerkannt. Die Bedeutung des Körpers als Medium für religiöse Symbolsysteme ist umso größer, als sie sich nicht nur auf unmittelbar religiöse Vollzüge wie Gottesdienste, Rituale oder Gebete beschränkt, sondern bis hin in den Alltag hinein prägend ist. Ernährungs- und Kleidungsvorschriften, Sexualmoral, Abstinenz oder das Verständnis von körperlicher Krankheit sind Teilbereiche religiöser Systeme, die das Leben eines Gläubigen umfassend prägen. Da es nach Ernst Troeltsch gerade die Alltagspraxis ist, die eine spezifische Identität in den Traditionen der protestantischen Denominationen hervorbringt, wurden in der vorliegenden explorativen Studie als konkretes Untersuchungsfeld für diese Bedeutungsdimension des Körpers zwei Gemeinden der protestantischen Freikirchen in Österreich, eine Baptistengemeinde und eine Gemeinde der Siebenten-Tags Adventisten, gewählt, wobei hier die Mittel der Qualitativen Sozialforschung zur Anwendung kamen.

Im Sinne von Brubaker/Cooper wird allerdings nicht vom Konzept einer stabilen, adventistischen bzw. baptistischen ‚Identität‘ ausgegangen, sondern vom Prozess der Grenzziehung bzw. Zugehörigkeit im Sinne der boundary work theory. Selbstverständnis wird hier definiert als dynamischer Prozess, der sich durch Zugehörigkeit zu bzw. Abgrenzung von sozialen Gruppen konstituiert, wobei diese Prozesse je nach unterscheidendem Marker unterschiedlich verlaufen (Dahinden). Daraus ergaben sich die Forschungsfragen: Welche Bedeutung hat das Verständnis des Körpers und ein spezifischer Umgang mit ihm als symbolische und praktische Ressource in Zugehörigkeits- und Grenzziehungsprozessen von Mitgliedern in Freikirchengemeinden? Welchen Beitrag leistet Körperlichkeit als eine in den Alltag hineinreichende Dimension des Religiösen für das Selbstverständnis, einer bestimmten Denomination anzugehören? Welche Abgrenzungen zu anderen Denominationen werden dabei vorgenommen? Durch qualitative Leitfadeninterviews und teilnehmende Beobachtung sowie Literaturanalyse werden diese Fragen erarbeitet und beantwortet. Die Forschungsfrage ist dabei eingebettet in eine Frage nach dem generellen Selbstverständnis als Angehöriger der beiden ausgewählten Gemeinden. Gerade weil Freikirchen in Österreich bisher kaum Beachtung gefunden haben, aber auch, weil die spezifischen Fragen zum Körper in einen breiteren Sinnhorizont eingeordnet werden müssen, werden zunächst das Selbstverständnis der Befragten und die ihnen zu Grunde liegenden Marker der Zugehörigkeit bzw. Grenzziehung analysiert.

Anschließend werden, je nach Gemeinde, wichtige Aspekte von Körperlichkeit (Ernährung, Gesundheit, Krankheit, Sexualität, Kleidung, Rituale …) im Hinblick auf ihre Relevanz für Selbstverständnis, Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe und Abgrenzung zu anderen Gruppen erforscht. Es zeigt sich einerseits die Relevanz von körperbezogenen Themen für das eigene religiöse Selbstverständnis, aber auch, dass Grenzziehungen nicht immer entlang der eigenen Gemeinde bzw. Tradition vorgenommen werden, sondern die Befragten sich sowohl größeren, die Gemeinde/Tradition transzendierenden, wie auch kleineren, die eigene Gemeinde/Tradition differenzierenden In-Groups zuordnen und entsprechend unterschiedliche Out-Groups konstruieren und das Konzept einer einfachen Konstruktion von konfessioneller ‚Identität‘ unzureichend ist. Die Studie liefert so einen empirischen Einblick in das bislang in Österreich kaum erforschte Feld freikirchlicher Gemeinden und zeigt die Bedeutung des Körpers als Faktor alltagspraktischer Religiosität wie auch als Faktor in sozialen Zugehörigkeits- und Grenzziehungsprozessen auf.                              

 

Dr.theol. Erika Katharina Ganz

Kreativität aus Vulnerabilität. Impulse für die Pastoral in einer patriarchalen Kirche anhand der Schriften der Ordensgründerin Antonia Werr (1813-1868).

Begutachter: 

Univ.-Prof. Dipl.theol. Dr.theol. Rainer Maria Bucher

 

Abstract

Jahrhundertelang konzipierten androzentrisch geprägte theologische und philosophische Theorien die Unterlegenheit der Frau unter den Mann als selbstverständlich, naturgegeben und gottgewollt. Dennoch lassen sich Frauenbiografien finden, die von den genormten bzw. gesellschaftlich und kirchlich vorgegebenen Lebensentwürfen abwichen. Umso mehr gilt es, diese relativen Freiheitseroberungen zu würdigen und nach den Bedingungen zu fragen, die neue Initiativen begünstigten und zu erfolgreichen Modellen weiblicher Lebensgestaltung führten. Was ließ diese Frauen neue Wege gehen, statt sich mit dem Status quo abzufinden? Was hat sie befähigt, dem eigenen inneren Impetus zu folgen statt – was gegebenenfalls bequemer und honorierter gewesen wäre – in vorgegebenen Bahnen und Ordnungen zu verbleiben? Diesen Fragen geht die vorliegende Dissertation anhand einer Frau nach, die im 19. Jahrhundert eine Frauengemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche ins Leben rief: Antonia Werr (1813–1868). Sie gründete 1855 die Kongregation der Dienerinnen der hl. Kindheit Jesu im Kloster Oberzell (bei Würzburg/Deutschland) und setzte sich für strafentlassene Frauen ein. Indem sie marginalisierten Frauen zu neuen Anfängen verhalf und Rechtlosen eine Stimme gab, brachte sie ihre eigene Stimme in der von patriarchalen Strukturen geprägten Kirche zu Gehör. Im solidarisch-praktischen Handeln, das sich von einer kenotischen Spiritualität der Verwundbarkeit leiten lässt, liegen – so die Autorin – auch Chancen für eine geschlechtersensible Pastoral in der Gegenwart. Menschen, die sich von den Wunden und Verwundungen ihrer Zeit berühren lassen, werden auch heute Wege finden, trotz struktureller Hindernisse kreativ zu werden und Impulse zu setzen für eine emanzipatorische pastorale Praxis.

Dr.theol. Dobrica Gheorghita

Die Beziehungen der rumänisch-unierten Kirche zur orthodoxen und römisch-katholischen Kirche am Beispiel der Erzdiözese Alba Iulia-Făgăraş in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Begutachterin:

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr.theol. Michaela Sohn-Kronthaler

 

Abstract

Die Beziehungen der rumänisch-unierten Kirche zur orthodoxen und römisch-katholischen Kirchen am Beispiel der Erzdiözese Alba Iulia-Făgăraş in der Mitte des 19. Jahrhunderts Die Intention meiner Arbeit war, ein besseres Verständnis des religiösen Lebens und der Beziehungen der unterschiedlichen Konfessionen in der Provinz Siebenbürgen zu erreichen, und in diesem Zusammenhang insbesondere die Rolle der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession am Beispiel zu erforschen. Da die Mehrheit der siebenbürgischen Bevölkerung zu dieser Zeit rumänischer Herkunft war, liegt der Schwerpunkt primär auf den interkonfessionellen Beziehungen zwischen den beiden rumänischen Kirchen, der rumänisch-unierten und der orthodoxen. Meine Studien gelten auch den interkonfessionellen Verhältnissen zwischen griechisch-katholischen und römisch-katholischen Christen in der betreffenden Region. Den Kern meiner Studien bilden die Kapitel 4, 5 und 6, in denen ich den konfessionellen Beziehungen zwischen den drei siebenbürgischen Kirchen - der orthodoxen, der griechisch-katholischen und der römisch-katholischen Kirche - an konkreten Beispielen aus dem sozialen Leben der Gemeinden oder bestimmter Personen unmittelbar nachgehe. Dabei stelle ich die pastoralen Angelegenheiten, wie Konfessionswechsel, gemeinsame Spendung der Sakramente oder diesbezügliche Konflikte zwischen den Gemeinden, heraus. Das Ergebnis dieser Arbeit ist die Erkenntnis, dass die Gemeinden und ihre Geistlichen eine aktive Rolle bei der Geschichtsschreibung in den orthodoxen und griechisch-katholischen Kirchen und im Leben ihres Volkes hatten und viele der Entscheidungen der Amtsträger der rumänischen Kirchen im 19. Jahrhundert beeinflussten. In bestimmten Situationen überkreuzten sich das religiöse und das wirtschaftliche Interesse der Bischöfe und der Gemeinden; in anderen Fällen waren wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend für Entscheidungen, wie z.B. für die Bestellung eines Wunschpfarrers oder eines Lehrers; hier sind im 19. Jahrhundert oft auch die Anlässe für das Verlassen der ursprünglichen Konfession zu suchen.

 

Dr.phil. Hella Hagspiel-Keller MA

Evangelische und evangelikale Freikirchen und ihr neuer Aufbruch: Emerging Church am Beispiel projekt:gemeinde in Wien.

Begutachter:

ao. Univ.-Prof., Mag. Dr. Hans-Gerald Hödl, Univ.-Prof. Dr. Ulrike Bechmann

 

Abstract

Emerging Church am Beispiel projekt:gemeinde in WienDie Dissertation ist so aufgebaut, dass das weite und plurale Feld der evangelischen und evangelikalen Freikirchen mit seinen langen Wurzeln, seinen spezifischen theologischen Überlegungen und den daraus resultierenden Überzeugungen erarbeitet wird, um deren jüngsten Aufbruch, Emerging Church (EC), angemessen einordnen zu können. In Kapitel I wird die Arbeit mit einem kurzen Einblick in den aktuellen religions-wissenschaftlichen Diskurs mit Schwerpunkt „Neue Religiöse Bewegungen“ eröffnet. Kapitel II bringt einen Exkurs zu „Entscheidungschristentum und Religiöse Erfahrung“, als grundlegende Fundamente des freikirchlichen Christentums. Darauf wird die Geschichte dieser Freikirchen und deren heutige weltweite Dimension dargestellt, worauf in Kapitel IV die allgemeine Phänomenologie der EC folgt. In Kapitel V wird die Qualitative Empirische Sozialforschung als Forschungsmethode diskutiert und Kapitel VI widmet sich der ausführlichen empirischen Erforschung der projekt:gemeinde als EC in Wien. Im Schlusskapitel werden die Forschungsergebnisse zusammengefasst und Forschungsfragen beantwortet.Thesenformulierung:1) Emerging Church ist eine „Neue Religiöse Bewegung“, eine globale christliche Erneuerungsbewegung in der langen Tradition der christlichen Freikirchen und kann als ihr neuester Aufbruch verstanden werden. 2) Mit ihrem freikirchlichen Modell auf der Grundlage eines Entscheidungschristentums hat EC gute Chancen, in der globalen Zukunft der Christenheit eine bemerkenswerte Rolle zu spielen.3) In der projekt:gemeinde ist hauptsächlich aus eigenen Ressourcen und baptistischer Tradition eine österreichische Variante der weltweiten EC gewachsen. Die projekt:gemeinde beteiligt sich im ökumenischen und interkonfessionellen Dialog und ist in einer Vielzahl sozial-diakonischer Projekte engagiert. An einer möglicherweise zu erwartenden Erweckung in Österreich könnte die projekt:gemeinde beteiligt sein. 

 

Dr.theol. Philipp Kernbauer

Der Katastrophenschutz in der Steiermark und das Ehrenamt in steirischen Einsatzorganisationen - Geschichtliche, empirische und ethische Betrachtung.

Begutachter:

Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold

 

Abstract

Als Grundlage für das Verständnis der sozialen und ethischen Aspekte im Katastrophenschutz wird in einem ersten Schritt eine historische Aufarbeitung von Katastrophenereignissen geboten. Katastrophen hat es in der Geschichte der Menschheit schon immer gegeben, jedoch hat sich der Umgang mit solchen Ereignissen in letzter Zeit stark verändert. Dadurch ist ein historisches und ein ethisches Augenmerk auf die Entwicklung des behördlichen steirischen Katastrophenschutzes gerichtet. Ein wesentlicher Teil davon sind die Ehrenamtlichen. Ohne diese ehrenamtlichen Mitarbeiter in den verschiedenen Rettungs- und Einsatzorganisationen, die gemeinsam mit den Behörden schnell und effizient Hilfe leisten, wäre das hohe Niveau der Hilfestellung weder möglich noch aufrecht zu erhalten. Gerade in diesem Zusammenhang ist die soziale und ethische Komponente wirksam, die es dauerhaft ermöglicht, auf diesem Level ehrenamtlich Dienst zu tun. Es muss Sorge dafür getragen werden, dass diese Basis der Solidarität besonders im Ehrenamt nicht erodiert. Die Europäische Union hat das Jahr 2011 zum Jahr der Ehrenamtlichkeit erklärt. Aus diesem Anlass hat die Katastrophenschutzabteilung des Landes Steiermark begonnen, gemeinsam mit dem Institut für Ethik und Gesellschaftslehre der Universität Graz unter der Federführung von Univ. Prof. Mag. Dr. Leopold Neuhold eine wissenschaftliche empirische Studie zum Thema "Ehrenamtliche Tätigkeit in den steirischen Einsatzorganisationen" durchzuführen. Diese Studie über die Bedeutung des Ehrenamtes ist in die Arbeit miteingeflossen. Angeregt durch die Arbeit des Verfassers in der Katastrophenschutzabteilung, stellte sich immer mehr die Frage nach der Rolle von sozialen und ethischen Aspekten bei Katastrophen im Sinne der Betroffenen, der Helfenden und der Behörde. Die nun vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Katastrophen und Katastrophenschutz im Kontext des Ehrenamtes auf dem Hintergrund der Katholischen Soziallehre.

 

Dr.theol. Astrid Krogger

Kann Religionsunterricht COOL sein? Theorie und Praxis des Kooperativen Lernens (COOL) im Religionsunterricht der Sekundarstufe II. Eine empirische Studie.

Begutachter:

Ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Weirer

 

Abstract

Das Unterrichtskonzept COOL, Kooperatives Offenes Lernen, das für den Einsatz an berufsbildenden Schulen entwickelt wurde, wird in Österreich auch im Religionsunterricht seit mehr als 10 Jahren praktiziert. Als eine mit dieser Praxis konfrontierte Religionslehrerin hat mich die Frage interessiert, wie dieses Unterrichtskonzept im Zusammenhang mit religionspädagogischen und religionsdidaktischen Anliegen zu bewerten ist, und welche Motive und Bedingungen ReligionslehrerInnen benennen, die damit arbeiten. In einem ersten, theoretischen Teil wird das COOL-Konzept umfassend dargestellt und im Licht von theologischen, religionspädagogischen und unterrichtspraktischen Aspekten analysiert. Es zeigt sich, dass es Schnittstellen zwischen dem Konzept und den religionspädagogischen Anforderungen des Religionsunterrichts gibt, seine Verwendung im Unterricht aber auch kritischer Aufmerksamkeiten bedarf. Die qualitativ empirische Studie, die den zweiten Teil der Arbeit darstellt, bestätigt diese Beobachtung weitgehend. In ExpertInneninterviews erzählen COOL-praktizierende ReligionslehrerInnen von ihren Erfahrungen und beschreiben COOL als brauchbares methodisch/didaktisches Instrument für den Religionsunterricht, berichten aber auch von Schwierigkeiten und notwendigen Rahmenbedingungen. Das Datenmaterial zeichnet ein Bild vom Selbstverständnis der ReligionslehrerInnen: sie sehen sich vorrangig in der Rolle einer Lernbegleiterin/eines Lernbegleiters, dafür verantwortlich, intensive und tiefgreifende Lernprozesse anzuregen. Ihr hohes Engagement ist stark von pädagogischen Anliegen geleitet, wird von ihnen jedoch kaum bewusst theologisch oder religionspädagogisch hinterfragt. Da sich die befragten ReligionslehrerInnen in erster Linie über ihre Rolle als LehrerInnen definieren, ist die Studie auch relevant für die allgemeine Didaktik insofern, als sie Auskunft über die Wirksamkeit, Chancen und Grenzen des COOL-Konzeptes im Unterricht allgemein gibt.  

 

Dr.theol. Mennas Vincent Mukaka

Die Bedeutung von Umunthu. Gemeinschaftsgeist für den Aufbau einer humanen Gesellschaft am Beispiel Malawis.

Begutachter:

Univ.-Prof. Dr. Leopold Neuhold

 

Abstract

Demokratie ist eine Gesellschaftsordnung, geprägt durch die Existenz der Freiheit und der Rechte des Menschen, um zu den Dingen beizutragen, die ihr tägliches Leben betrifft. Die importierte Demokratie vom Westen hat den Menschen in Malawi nicht geholfen, diese demokratischen Werte in vollen Zügen zu leben. In der heutigen sozio-politischen Situation Malawis regieren nur wenige Leute, und diese entscheiden über die Menschen, ohne auf die Stimme des Volkes zu hören. Die Politiker regieren mit Macht und Gewalt, die sie untereinander weitergeben, und ihr Hauptinteresse ist nur, sich zu bereichern. Das schmerzt die Mehrheit der Bevölkerung und es leiden die Parteien der Opposition. Es gibt keine wahre Demokratie innerhalb der politischen Parteien und im ganzen Land, auch wenn es alle fünf Jahre allgemeine Wahlen gibt. Diese Arbeit stellt die Frage: Warum versuchen die Malawier nicht eine andere Art von Demokratie, die von den verschiedenen ethnischen Gruppen praktiziert wurde, bevor sie in Kontakt kamen mit dem westlichen und nördlichen Typ der Demokratie? Dies könnte man als "Umunthu Demokratie" bezeichnet. In einer "Umunthu Gemeinschaft" regieren die Anführer oder Häuptlinge durch Gehorsam gegenüber dem kommunalen Konsens, und der Anführer oder der Häuptling achtet darauf, dass alle Menschen in ihrem Gebiet ein gutes und erfolgreiches Leben führen. Sie sind Führer, die dem Volk dienen. Diese Art von Demokratie fördert ein hohes Maß an Zusammenarbeit aller Mitglieder der Gemeinschaft, auch der Debatte und der Delegation der Verantwortung nur für diejenigen, die die Sorge der Menschen in ihren Herzen tragen. Es gibt einen klaren definierten Prozess, der allen Menschen hilft, Entscheidungen hinsichtlich ihrer Gemeinden und ihres täglichen Lebens sowie der Verteilung von Ressourcen und Verantwortlichkeiten beizutragen.

 

Dr.theol. Edith Petschnigg

„Die Bibel ist das, was eint“: Geschichte und Bibelrezeption „jüdisch-christlicher“ Basisinitiativen in Deutschland und Österreich nach 1945.

Begutachter:

Univ.-Prof. Mag. Dr. Irmtraud Fischer 

 

Abstract

Für die Theologie nach 1945 markierte die Tragödie der Schoah einen entscheidenden Wendepunkt in der Definition ihrer Haltung zum Judentum und damit zum ersten Teil ihrer Heiligen Schriften, dem Alten Testament bzw. der Hebräischen Bibel. Allmählich stellten sich Kirchen und Theologie der eigenen, jahrhundertelangen antijüdischen Tradition und erkannten langsam, welche Mitschuld der christliche Antijudaismus und das vielfache Schweigen der Kirchen während des Zweiten Weltkrieges an den Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes trugen. Ein wesentliches Resultat dieses Umdenkprozesses stellt der „jüdisch-christliche“ Dialog dar. Auf Grundlage der Hebräischen Bibel, der gemeinsamen Glaubensurkunde des Judentums und des Christentums, etablierten sich in den Nachkriegsjahrzehnten „jüdisch-christliche“ Gesprächsinitiativen an der Basis. Vier dieser Dialoginitiativen in den beiden postnationalsozialistischen Ländern Deutschland und Österreich stehen exemplarisch im Zentrum dieser Arbeit: die Jüdisch-Christliche Bibelwoche in Bendorf am Rhein (1969–2003) bzw. in Georgsmarienhütte (seit 2004), die Österreichische Christlich-Jüdische Bibelwoche in Graz (1982–2007), das Christlich-Jüdische Ferienkolleg in Nettetal, Aachen und Baesweiler-Puffendorf (1983–2012) sowie die Christlich-Jüdische Sommeruniversität in Berlin (seit 1987). Mithilfe einer historisch-theologischen Verortung werden Genese, Entwicklung und Bibelrezeption dieser dialogischen Bildungsformate analysiert. Sowohl schriftliche Quellenbestände als auch leitfadenorientierte Oral-History-Interviews mit InitiatorInnen, ReferentInnen und TeilnehmerInnen dieser Initiativen dienen als Grundlage der multiperspektivischen Darstellung. Als qualitativ orientierte Studie gewährt diese Arbeit den Wahrnehmungen, Erfahrungen und Einschätzungen von DialogakteurInnen breiten Raum.

 

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