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Dissertationen 2020

Dr.theol. Meinhard Beermann

Israel und die Kirche in der Offenbarung des Johannes  

Begutachter: 

Univ.-Prof. Dr. Christoph Heil

 

Abstract

Die Dissertation untersucht die apokalyptische Perspektive auf Israel und die Kirche in der Offenbarung des Johannes. In diesem Zusammenhang konzentriert sie sich auf Offb 11,19–12,17 und auf Ex 19; 24; Dtn 31; Jes 26,17-18; 66,6-8; Dan 9,24.27, wobei jeweils die sprachlichen Besonderheiten und die eschatologischen Aussagen untersucht werden. Die Dissertation diskutiert schließlich, inwieweit die Texte als Instrumentarium zur Interpretation und zum Verständnis der Situation Israels und des Christentums bis heute in Frage kommen können.

Die Untersuchung verfolgt die Intention, Offb 11,19–12,17 und 21,3 als Leitmotivtexte zum Thema zu dechiffrieren; dabei wird Wert auf das Verstehen und Auslegen der Texte aus der Perspektive einer theologischen Reflexion über beide Testamente gelegt (Intertextualität). Das Vorhaben besteht darin, die oben genannten Texte, deren Textwelten und Bilder, Aspekte, Motive und Themen zu entschlüsseln und zu würdigen. Offb 11,19–12,17 ist wegen seines evokativen Charakters in der Lage, einen tieferen biblisch-theologischen Sinngehalt hinsichtlich der Forschungsfrage aufzudecken. Ein Aspekt ist es, anhand der Textauswahl die „Rücksammlung“ und endgültige Wiederherstellung Israels darzustellen.

Weiter wird argumentiert, dass die Offenbarung des Johannes eine implizite Bundestheologie einschließt. Im Kontext des jüdisch-christlichen Dialogs knüpft die Dissertation vor allem an Thesen des Dokuments „Dabru emet“ aus dem Jahr 2000 an: „Während des fast zwei Jahrtausende andauernden jüdischen Exils haben Christen das Judentum zumeist als eine gescheiterte Religion oder bestenfalls als eine Vorläuferreligion charakterisiert, die dem Christentum den Weg bereitete und in ihm zur Erfüllung gekommen sei“ (ebd., Einleitung). „Das Christentum ist keine Erweiterung des Judentums; wenn beide ihre eigenen Traditionen pflegen, können sie in Aufrichtigkeit dieses sich positiv entwickelnde Verhältnis weiterführen“ (ebd., These Nr. 7).

Dr.theol. Dragan Jurić

Communio contra communismum. Die Seelsorge für Kroatinnen und Kroaten in Österreich von 1945 bis zur Gegenwart  

Begutachterin: 

Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Michaela Sohn-Kronthaler

 

Abstract

Die katholische Kirche im kommunistischen Jugoslawien befand sich in einer unsicheren und schwierigen Situation. Der Grund dafür waren die äußerst angespannten Beziehungen zwischen der Kirche und dem damaligen Staat. Forschungsgegenstand der vorliegenden Studie ist die Geschichte der katholischen Kirche im kommunistischen Jugoslawien und die damit verbundene Geschichte und Organisation der kroatischen Seelsorge von Flüchtlingen und Emigrantinnen/Emigranten in Österreich. Der behandelte Untersuchungszeitraum umfasst den Zeitraum von 1945 bis zur Gegenwart, wobei die Situation der katholischen Kirche im Unabhängigen Staat Kroatiens unter dem Ustascha-Regime davor zum besseren Verständnis des Zusammenhanges miteinbezogen wurde.
Die vorliegende Arbeit ist in vier thematische Blöcke gegliedert:
1) Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Kroaten und der katholischen Kirche im kommunistischen Jugoslawien
2) Die kroatische Auswanderung
3) Die Seelsorge von Kroatinnen und Kroaten in der Kirchenprovinz Salzburg
4) Die Seelsorge von Kroatinnen und Kroaten in der Kirchenprovinz Wien.
Die erste Ankunft einer größeren Anzahl von Kroatinnen und Kroaten im österreichischen Hoheitsgebiet erfolgte zum Zeitpunkt der türkischen Eroberung. Noch heute hat ein Teil dieser Gruppe dank der katholischen Kirche seine ethnische Identität im Burgenland bewahrt. In weitere Teile der Republik Österreich kamen Kroatinnen und Kroaten nach dem Zweiten Weltkrieg meist als Flüchtlinge, dann ab Mitte der 1960er Jahre als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter und vor allem als Flüchtlinge des Heimatkrieges infolge der Auflösung Jugoslawiens in den 1990er Jahren. Die Organisation der Seelsorge verlief langsam und mühsam in Zusammenarbeit zwischen den Bischöfen in Österreich und Jugoslawien, aber auch unter dem wachsamen Auge des jugoslawischen Regimes.

Während die Auswandererpriester unter den kroatischen Emigrantinnen und Emigranten und Flüchtlingen als verbindendes Element zwischen den unterschiedlichen Weltanschauungen wahrgenommen wurden, bezeichnete sie das kommunistische Jugoslawien als Staatsfeinde. Ab 1966 wurden gelegentlich auch Seelsorger entsandt, die ideologisch nahe am kommunistischen System oder Diener des kommunistischen Systems waren.
Mit der Gründung der Caritas Croata im Jahr 1948 erhielt die Kroatenseelsorge in Österreich eine formelle Dachorganisation mit Sitz in Salzburg. Obwohl die Caritas Croata über den Rahmen der reinen Seelsorge hinaus tätig war, indem sie sich mit sozialen und karitativen Themen befasste, war ihre Rolle bei der Organisation der Seelsorge unverzichtbar. Die Kroatenseelsorge in Österreich baute auf der Struktur der Caritas Croata auf, die mit dem Eintreffen der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aufgelöst wurde; ihre pastoralen Aufgaben wurden vom Oberseelsorge-Büro unter der Leitung des Oberseelsorgers übernommen. Obwohl es in der Praxis keinen großen Unterschied gibt, sollte die Kroatische Katholische Mission von der kroatischen katholischen Seelsorge unterschieden werden. Missionen sind im eigentlichem Sinn eine Personalpfarre im Territorium der Diözese mit allen Merkmalen einer Pfarre, während eine Seelsorge keine eigenen Kirchenbücher (Matriken) führt, sondern diese für sie die örtliche Pfarre übernimmt, in der die Sakramente gespendet werden. In den (Erz-)Diözesen Wien, Salzburg, Graz-Seckau, Innsbruck und Linz wurden KKM gegründet, während in den Diözesen Gurk, St. Pölten und Feldkirch die kroatische Seelsorge organisiert wurde.

Dr. theol. Susanne Kleinoscheg

„Wir sind hier an einem sehr starken pastoralen Ort!“ Situative Kirchlichkeit der Religionslehrerin als Identitätsproblem 

Begutachter: 

Univ.-Prof. Dr. Rainer-Maria Bucher, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Weirer

 

Abstract

Die Arbeit ist angesiedelt an der Schnittstelle von Pastoraltheologie und Religionspädagogik. Die Schule ist - im Sinne des II. Vatikanums - ein pastoraler Ort, die ReligionslehrerInnen (RL) leben somit in unterschiedlichsten pastoralen Räumen. Da es zu diesem Thema bislang nur wenige Forschung gibt, stützt sich die Arbeit auf die empirische Methode qualitativer ExpertInneninterviews. Die acht Interviews wurden nach der Methode der Qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring ausgewertet.
Als die drei Hauptkategorien der empirischen Analyse haben sich herausgestellt: die Kirchlichkeit, die Identität und die RL. Durch die Kirchlichkeit der RL, die sie in Gemeinschaft mit den Jugendlichen in ihrem Schulalltag leben, erhalten viele RL die Kraft, die Zerreißprobe zu bestehen, die aufgrund der unterschiedlichsten Erwartungen von DienstgeberInnen gegeben ist. Die Faktoren, die RL im Laufe ihrer Laufbahn in ihrer Identität beeinflussen, sind vielfältig. In den Kirchenbildern vom pilgernden Volk Gottes (Lumen gentium) und der missionarischen Kirche, wie es Papst Franziskus sieht, findet sich die Kirchlichkeit von RL am ehesten wieder. Im schulischen RU setzen sich junge ChristInnen mit Fragen des Glaubens auseinander, wie sonst nirgends. Daher lassen sich von diesem Ort her viele Handlungsoptionen für die Religionspädagogik, die Kirche und die Schule ableiten.
Die vielfältige Kirchlichkeit der RL hat sich als zentrale Fragestellung der Arbeit herauskristallisiert. Diese Vielfältigkeit bedeutet eine Chance, dass viele andere kirchlichen Handlungsorte vom RL lernen könnten. RL bringen dabei viele Ressourcen mit, die in den Interviews benannt wurden. Zentral ist dabei eine hohe Wertschätzung für die SchülerInnen, die einmal zusammengefasst wird in dem Satz: „Ich finde euch fantastisch!“

Dr.theol. Ladislav Kuckovsky

Auf dem Weg zur theologischen und existenziellen Erneuerung. Krise und vertiefte Grundlegung des Priesterbildes bei Joseph Ratzinger    

Begutachter: 

Em.o.Univ.-Prof. Dr. Bernhard Körner

 

Abstract

Das Priestertum gehört zur Grundgestalt der Kirche. Zugleich aber ist seit Jahrzehnten immer wieder von seiner Krise die Rede. Der heutige Priester sieht sich in der Tat mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Joseph Ratzinger befasst sich mit dem Thema, auch wenn es nicht zu den großen Motiven in seinem Opus gehört. Seine Texte sind deswegen mehr Annäherungen an das Thema, die bei bestimmten Anlässen zustande gekommen sind, als systematische Abhandlungen. Dennoch bilden sie ein sinnvolles Ganzes, das ermöglicht, von einem Priesterbild Ratzingers zu sprechen.

Die Arbeit ist bemüht, dieses zu skizzieren und es in die theologie-zeitgeschichtlichen Entwicklungen einzubetten. Deswegen beginnt sie mit dem Blick auf die neuscholastische Konzeption des Priestertums. Zum einen wird dadurch die Theologie der Zeit beleuchtet, in der Ratzinger selbst diesem Thema theologisch und persönlich begegnet ist, zum anderen ermöglicht dieser Zugang das Spezifische seiner Theologie deutlicher zu sehen. Auch der Blick auf die Entwicklungen des Priesterbildes seit dem Trienter Konzil sowie auf das Priesterbild, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil entworfen wurde, will dieser Kontextualisierung dienen.

Den Ausgangspunkt von Ratzingers Gedanken bildet das Heute und seine Herausforderungen. Dort erkennt er große Infragestellungen des Priestertums, die sich aus gesellschaftlichen und theologischen Entwicklungen ergeben. Er sieht eine tiefgreifende Krise, die einerseits die Person, andererseits aber auch den Auftrag und die Existenzberechtigung des Priestertums als solches betreffen. Aus diesem Grund gilt seine vorrangige Aufmerksamkeit der Sicherstellung von Grundlagen, aus denen das katholische Priestertum hervorwächst.

Dementsprechend befasst sich die Arbeit ausführlich mit den bibeltheologischen und ekklesiologischen Grundlinien sowie der christologischen Grundlegung des Priestertums, wie Ratzinger sie in seinen Texten zeichnet. Dabei setzt er sich mit den grundsätzlichen Infragestellungen des Priestertums auseinander, wie sie im modernen theologischen Diskurs vorkommen. Diese Auseinandersetzung nimmt er zum Anlass, um das Priestertum von den Verdunkelungen durch die Zeit zu reinigen und auf das Wesentliche seines Auftrags zu fokussieren. Dabei stellt für ihn die christologische Grundlegung den Schlüssel dar, der es ermöglicht, überhaupt von einem sakramentalen Priestertum in der Kirche zu reden. Aus den theologischen ‚Sicherungsarbeiten‘ ergibt sich dann auch eine vertiefte, existenzielle Sicht des Priesters, die wesentlich in der Selbstenteignung des Priesters zugunsten des Herrn, der ihn persönlich beruft und in seine eigene Sendung hineinnimmt, besteht. Deswegen hat Ratzinger bei seinem Nachdenken über unser Thema immer den konkreten ‚Mensch Priester‘ in einer ganz konkreten Zeit mit ihren Fragen und Unsicherheiten vor Augen.

Aus der theologisch und existenziell erneuerten Grundperspektive werden auch die brennenden Fragen der Zeit, die im gegenwärtigen Diskurs eine entscheidende Rolle spielen, beleuchtet. Damit soll sichtbar gemacht werden, worin der Beitrag von Ratzingers Theologie des Priesteramtes zur Erneuerung des Priesterbildes in unserer Zeit besteht.

Dr.phil. Kathrin Maria Trattner

Auf feindlichem Gebiet. Ein intersektionaler Zugang zu Terroristen aus dem Nahen Osten in Kriegsspielen  

Begutachterin: 

Univ.-Prof.in MMag.a DDr.in Theresia Heimerl

 

Abstract

Die Arbeit geht der Frage nach, wie Feinde in First-Person-Shootern (FPS) mit Kriegssettings konstruiert werden. Der Fokus liegt speziell auf dem Beispiel terroristischer Feinde aus dem Nahen Osten. Eine wichtige Frage hierbei ist, inwiefern die Zuschreibung ‚muslimisch‘ die Konstruktion dieses spezifischen Feindbildes beeinflusst.

Als Beispiele wurden zwei US-Amerikanische FPS-Reihen gewählt, MEDAL OF HONOR und CALL OF DUTY. Der theoretische Zugang der Arbeit unterscheidet sich von den meisten bisherigen Analysen des Themas, die häufig auf Orientalismus-Theorien aufbauen. Die vorliegende Arbeit hingegen wendet, beeinflusst durch Theorien der Cultural Studies, einen intersektionalen und vergleichenden Ansatz an. Mittels kritischer Diskursanalyse wurden vier Spiele, zwei pro analysierter Reihe, mit unterschiedlichen Feindesfraktionen als Beispiele für eine Detailanalyse ausgewählt um herauszufinden, wie Feinde innerhalb des Diskurssektors FPS mit Kriegssetting konstruiert werden, welche sozialen Kategorisierungen zu Tragen kommen, wie sich diese überlagern und gegenseitig bedingen sowie welche Rolle der Zuschreibung ‚Muslimisch‘ in der Konstruktion terroristischer Feinde aus dem Nahen Osten zukommt.

Ziel der Arbeit ist es, eine nuancierte, kontextualisierte und anti-essentialistische Sicht auf ein wissenschaftlich häufig vernachlässigtes und öffentlich oft polemisch diskutiertes mediales Genre zu ermöglichen. Insgesamt wurde festgestellt, dass der Diskursstrang ‚Feinde‘ im analysierten Diskurssektor keineswegs homogen ist. Es wurden dennoch einige wiederkehrende Muster hinsichtlich der Konstruktion der Feinde festgestellt, z.B. spiegeln sich häufig Distinktionen wie westlich/nicht-westlich oder weiß/nicht-weiß in den Grenzen, die Spiele zwischen Feinden und eigenen Fraktionen ziehen, wider. ‚Religion‘ hingegen, oder genauer die Zuschreibung ‚Muslimisch‘, wurde nicht als vordergründiger Faktor in der Konstruktion terroristischer Feinde aus dem Nahen Osten beobachtet.

Dr.theol. Christian Zettl

Ein letztes Aufbäumen des Antimodernismus? Die Enzyklika "Humani generis" (1950) und ihr theologiegeschichtlicher Kontext    

Begutachterin: 

Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Michaela Sohn-Kronthaler

 

Abstract

Die Enzyklika „Humani generis“ (1950) von Papst Pius XII. (1939-1958) kann als letztes maßgebliches antimodernistisches Dokument des römisch-katholischen Lehramtes im Kampf gegen den Modernismus gesehen werden. Ausgehend von der Etablierung der Neuscholastik und der „Römischen Theologie“ durch das kirchliche Lehramt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den unterschiedlichen Erscheinungsformen des Modernismus und seiner Protagonisten der Enzyklika „Pascendi Dominici gregis“ (1907) und des Antimodernisteneides (1910) von Papst Pius X., werden die bedeutenden Linien der Theologiegeschichte bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verfolgt.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen ist für das Entstehen neuer theologischer Strömungen sowohl in Frankreich als auch in Deutschland bedeutsam, wobei es ab den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem großen Aufbruch innerhalb der Theologie in Frankreich kam, den man mit dem Begriff der „Nouvelle théologie“ und Theologen wie Marie-Dominique Chenu OP, Yves Congar OP oder Henri de Lubac SJ in Verbindung bringt. Diese neuen Strömungen und ihre Vertreter wurden vom Lehramt und den von ihm konsultierten Theologen während der 1940er Jahre heftig bekämpft.

Die Enzyklika „Humani generis“ sollte ein Versuch sein, mit lehramtlicher Vollmacht diese Tendenzen hauptsächlich innerhalb der französischen Theologie zu unterbinden. Die Analyse des Textes der Enzyklika, der stilistisch an antimodernistische Schreiben angelehnt ist, bestätigt die Intention von Papst Pius XII., gegen die „Nouvelle théologie“ vorzugehen.
Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet und eben jene Theologen, die zuvor gemaßregelt und inkriminiert wurden, wurden von Papst Johannes XXIII. als bedeutende Impulsgeber und theologische Berater auf dieser Bischofsversammlung einbezogen. Ein letzter Versuch des Römischen Lehramtes, mit „Humani generis“ die strikt antimodernistische Haltung in der Kirche durchzusetzen, misslang somit.

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