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Kommentar zur aktuellen Debatte zum Ethik/Religionsunterricht

Donnerstag, 27.02.2020

 

Die mit 2021 geplante Einführung des Ethikunterrichtes an der Sekundarstufe II gibt Anlass zu emotional aufgeladenen Diskussionen rund um den Ethik- und Religionsunterricht und um das Verhältnis dieser beiden Unterrichtsgegenstände. So wurde mit Berufung auf Susanne Wiesinger, ehemalige Ombudsfrau für Wertefragen im Bildungsministerium, die Diagnose gestellt: "Religionen spalten". Dahinter steht wie so oft ein Bild vom Religionsunterricht, das aus der Mitte des letzten Jahrhunderts stammen dürfte: In Religion, egal welchen konfessionellen Zuschnitts, würden Schüler indoktriniert, missioniert und manipuliert. Religionsunterricht scheint für viele nach wie vor der verlängerte Arm von Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Schule zu sein. Schaut man sich aktuelle Lehrpläne, Schulbücher und vor allem den gelebten Religionsunterricht an, so gewinnt man zum Glück ein anderes Bild: Dem schulischen Religionsunterricht geht es darum, SchülerInnen in einer vielfältig gewordenen Welt Orientierung anzubieten und sie bei Entscheidungen für - oder auch gegen - Religion zu begleiten. Ein auf Indoktrination ausgerichteter Unterricht ist mit einem modernen Bildungsverständnis nicht vereinbar und hat in der Schule keinen Platz. Es geht im Religionsunterricht Fragen, die alle Menschen unbedingt angehen: Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Glück, Leid und Tod, nach einem hoffnungsvollen Leben. Es geht um Spiritualität und Lebensführung, verantwortungsvolles Entscheiden und den individuellen Beitrag für ein friedvolles Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionen und Kulturen. Diese Fragen werden im Religionsunterricht aller Religionen und Konfessionen zum Thema gemacht. Es gibt also wesentlich mehr Gemeinsames als Trennendes.
Sinnvoll wäre  es, in einer plural gewordenen Schule diese Fragen nicht ausschließlich in getrennten Lerngruppen zu besprechen, sondern die Zusammenarbeit verschiedener "Religionsunterrichte" in der Schule auf einer wechselseitige wertschätzenden Grundlage möglichst zu forcieren. Diese Kooperation wird auch ein wesentliches Anliegen sein, wenn der Ethikunterricht flächendeckend in der Schule (zumindest der Sekundarstufe II) angekommen ist: Ethik und Religion sollen nicht spalten, sondern gemeinsam ihr bildendes Potential für ein gelingendes Leben der Schüler und Schülerinnen und für ein friedvolles Miteinander in der Gesellschaft entfalten.

Wolfgang Weirer

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