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FOKUS THEOLOGIE. Aus Graz. Für alle.
Montag, 12. Oktober 2026

Aus TheoNEWS wird FOKUS THEOLOGIE

Mit dieser Ausgabe präsentiert sich der Newsletter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Graz in neuem Gewand. FOKUS THEOLOGIE bietet Ihnen drei- bis viermal jährlich einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten unserer Fakultät. Im Mittelpunkt stehen dabei prägende Themen, engagierte Menschen und spannende Konzepte. Weiters bekommen Sie Informationen zu Veranstaltungen, Publikationen und Forschungsprojekten.
Wir freuen uns über Ihr Interesse, laden Sie ein, unsere Fakultät weiterhin – oder ganz neu – zu begleiten, und wünschen allen ein inspirierendes und erfolgreiches Studienjahr.

Elisabeth-List-Projekt: Zwi⁠schen Bild und Text

Torben Hanhart ist Incoming Fellow des intermedialen und interkonfessionellen Elisabeth-List-Projekts „Zwischen Bild und Text. Intermediale Geschlechtskonstruktionen und religiöse Geschlechtsnormierungen in der Frühen Neuzeit“. Der Kunsthistoriker und Doktorand an der Universität Bern berichtet im Kurzinterview von seiner Arbeit an diesem von Martina Bär geleiteten Projekt. 

Worum geht es im Projekt – und was ist Deine Rolle?

Wir untersuchen historische Objekte mit religiösen Inhalten, in denen Bild und Text zusammenkommen: illustrierte Bücher, Flugblätter, Gemälde etc. Dabei geht es uns darum zu verstehen, welche geschlechtlichen Rollenvorstellungen diese Darstellungen abbilden und prägen.

Unser Team arbeitet dem Untersuchungsgegenstand entsprechend interdisziplinär. Ich bringe meine Perspektive als Kunsthistoriker ein.

Welche Rolle spielt Theologie für Deine Arbeit?

Uns Kunsthistoriker:innen begleitet die Theologie gleich ab dem 1. Semester. Das ergibt sich schon aus den Inhalten der vielen sakralen Kunstwerke, die wir im Studium kennenlernen. Seitdem ich mich auf Gottesbilder in der Kunst spezialisiere, sind die Erkenntnisse theologischer Forschung wesentlich für meine tagtägliche Arbeit, vor allem jene der Auslegungsgeschichte biblischer Texte.

Was bringst Du aus Deiner bisherigen Forschung ein?

In meiner Promotion erforsche ich die Vorstellung von Gott als Mutter in der Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts. Dazu gehören u. a. Christusdarstellungen, auf denen Christus stillt oder Gläubige schützt wie eine Henne. Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass diese Gottesbilder zu Vorbildern für Zeitgenossen wurden: Vor allem in Italien verbreitet sich so das Ideal des mütterlichen Mannes.

In unserer ELF-Gruppe möchte ich diesem Zusammenhang weiter nachgehen. Dazu betrachte ich in erster Linie Quellen aus der Hagiographie wie Heiligenviten, aber auch beschriftete Druckgrafiken, Predigten sowie klassische Archivalien wie Briefe, Verträge und Statuten.

Wie entstehen und verändern sich Geschlechterbilder?

Um nachvollziehen zu können, welche konkreten Bilder gesellschaftlich prägend bzw. anschlussfähig waren, müssen eine ganze Reihe von Faktoren mitbedacht werden: Ort, Zeit, die Zugänglichkeit von Medien und die Hintergründe ihrer Herstellung. Was z. B. in einem italienischen Heiligenbild des 16. Jahrhunderts ein wirksames Vorbild setzt, kann andernorts Grundlage einer Karikatur werden. Entsprechend vielstimmig sind die bisherigen Ergebnisse unserer Forschung. Den „einen“ Wandel zu beschreiben, wäre also schwierig.

Welche frühneuzeitlichen Vorstellungen wirken bis heute nach?

Hinsichtlich der Inhalte unserer Quellen gibt es einige normative Bilder, die uns heute ungewohnt erscheinen – Christus als Henne zum Beispiel. Andere Antworten, die in der Reformationszeit auf gesellschaftliche Fragen gegeben wurden, begegnen uns noch heute, etwa die Zusammensetzung einer „richtigen“ Familie.

Was die Wege der Normierung betrifft, gibt es einige Kontinuitäten. So verbindet unsere Gegenwart und die Frühe Neuzeit, dass die Kombination von Text und Bild ein präsentes und effektives Mittel zur Verbreitung normativer Bilder von Geschlechterrollen ist. Auch die Mobilität von Bildern ist damals wie heute erheblich. Schon im 16. Jahrhundert gab es eine globale Zirkulation von Bildern, die auch für die Frage nach Geschlechterrollen mitbedacht werden muss.

Gleichzeitig ist es wichtig zu fragen, was repräsentiert wird und wer unsichtbar bleibt. Wenn es z. B. in einer visuellen Kultur überhaupt keine Darstellungen weinender Väter gibt, können wir auch aus dieser Abwesenheit etwas lernen. Das gilt für den Blick in die Vergangenheit und für den auf unsere Gegenwart.

Weiterlesen: Projektseite Universität Graz – Elisabeth-List-Fellowship

  

Veranstaltungen

Die aktuellen Veranstaltungen der Fakultät finden Sie auf unserer Website. 
Hier einige Highlights:

 

Für neue und „alte “ Studierende bietet das Welcome Year über das ganze Studienjahr verteilt eine Reihe von Angeboten, sich zu informieren und auch um informell zusammenzukommen.

 

Die Ringvorlesung „Religion am Donnerstag“ widmet sich im Wintersemester 2026/27 dem Thema „Value-based Leadership. Inter- und transdisziplinäre Perspektiven“.

 

ZeitKunst: Im Kunstgang der Fakultätsbibliothek läuft während des Wintersemesters die Ausstellung des Künstlers Dablju Ke „Lebenslinien. Experimente in unterschiedlichen Techniken“. Vernissage ist am 14. Oktober.

 

Am 21. Oktober hält der orthodoxe Theologe Pantelis Kalaizidis einen Online-Vortrag zum Thema „Theology in the Public Space: Orthodox Perspectives“.

 

Der Tübinger Pastoraltheologe Ottmar Fuchs spricht am 28. Oktober über „Kritische Hermeneutik der Heiligen Schrift“.

 

Am 10. November hält Michael Tilly einen Gastvortrag zum Thema „Der eine Gott und seine Tora – Religiöse Ordnungsstrukturen im antiken Judentum“.

 

Die Gesprächsreihe „Moraltheologie aktuell“ widmet sich am 12. November dem Thema „Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn“.

 

Am 26. November werden die Elisabeth-Gössmann-Preise für hervorragende Arbeiten zur theologie- und religionsbezogenen Frauen- und Geschlechterforschung verliehen.

 

Im Rahmen der Montagsakademie befasst sich Nicole Bauer am 30. November mit dem Thema „Macht Glaube stark? Religion zwischen Resilienz und Risiko“.

 

Am 25. Jänner 2027 findet der Festakt zur Verleihung der akademischen Grade statt.

Publikationen

In diesem Jahr erschienen:

Bär, Martina / Pyschny, Katharina (Hg.):
Theologische Genderstudien oder geschlechterbewusste Theologie? Ein Forschungsfeld in Bewegung (Religion – Geschlecht – Körper 4), Baden-Baden: Karl Alber (2026).

 

Bauer, Nicole M. / Doole, J. Andrew (Hg.):
(De)Constructing Gender Politics in Contemporary Christian Discourse (TeiResias 4), Göttingen: V&R unipress (2026).

 

Bauer, Ulrich / Harb, Gertraud / Klampfl, Thomas (Hg.): 
Q 17:26–30, 34–35. As in the Days of Noah – One Taken, One Left (Documenta Q), Leuven/Paris/Walpole, MA: Peeters (2026).

 

Feichtinger, Christian / Lutz, Ralf (Hg.): 
Orientierung | Orientation, LIMINA – Grazer theologische Perspektiven 9/1 (2026).

 

Feichtinger, Christian / Weirer, Wolfgang (Hg.): 
Religion(en) als Thema schulischer Fachdidaktiken, Österreichisches Religionspädagogisches Forum 34/1 (2026).

 

Kara, Cem / Reuter, Evelyn / Turóczy, Zsófia (Hg.): 
Sufism in Ottoman and Post-Ottoman Europe. Entanglements in Past and Present (Routledge Sufi Series), Abingdon/New York: Routledge (2026).

 

Mäder, Marie-Therese / Sjö, Sofia (Hg.): 
Death, Loss and Mourning in Film and Media, Journal for Religion, Film and Media (JRFM) 12/1 (2026).

 

Pichler, Josef: 
Jesus – kein Mann wie die anderen. Männlichkeit im Markusevangelium (Bibel diskutiert 4), Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk (2026).

 

Pokorny, Lukas K. / Winter, Franz (Hg.): 
Appropriating the Dao. The Euro-American Esoteric Reception of China, London/New York: Bloomsbury Academic (Taschenbuchausgabe 2026).

 

Pokorny, Lukas K. / Winter, Franz (Hg.): 
New Religious Movements in Five Minutes (Religion in 5 Minutes), Sheffield/Bristol: Equinox (2026).

 

Radchenkova, Ksenia / Winter, Franz (Hg.): 
China and the World. New Perspectives on Classical Topics (Studies in Territorial and Cultural Diversity Governance 26), Leiden/Boston: Brill (2026).

 

Rubeis, Giovanni: 
Ethik der KI in der Medizin, Cham: Springer (2026).

 

Strube, Julian / Thaler, Marleen / Zoehrer, Dominic (Hg.): 
Subtle Energies in Therapy, Spirituality, Arts, and Politics. 1800–Present (Numen Book Series 182), Leiden/Boston: Brill (2026).

 

Thaler, Marleen: 
Albion’s Sage for the New Age. John Michell, Radical Traditionalism and the Myth of Sacred England, Sheffield/Bristol: Equinox (2026).

 

Weiterlesen: Publikationstätigkeit an der Fakultät

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Die nächste Ausgabe von FOKUS THEOLOGIE erscheint im Februar 2027.

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