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FOKUS THEOLOGIE. Aus Graz. Für alle.
Donnerstag, 15. Oktober 2026

Aus TheoNEWS wird FOKUS THEOLOGIE

Mit dieser Ausgabe präsentiert sich der Newsletter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Graz in neuer Form. Künftig möchten wir Ihnen drei- bis viermal jährlich einen etwas umfassenderen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten unserer Fakultät geben.
Wir laden Sie ein, sich mit einem ausgewählten Aspekt unserer Arbeit etwas genauer vertraut zu machen: prägende Themen, engagierte Menschen, spannende Projekte. Daneben gibt es weiterhin kurze Infos zu Veranstaltungen, Publikationen und Projekten.
Wir freuen uns, wenn dieses neue Format Ihr Interesse weckt, Bekanntes vertieft und vielleicht auch dazu einlädt, unsere Fakultät weiterhin – oder ganz neu – zu begleiten.

Elisabeth-List-Projekt: Zwischen Bild und Text

Torben Hanhart ist Incoming Fellow des intermediellen und interkonfessionellen Elisabeth-List-Projekts “Zwischen Bild und Text. Intermediale Geschlechtskonstruktionen und religiöse Geschlechtsnormierungen in der Frühen Neuzeit”. Der Kunsthistoriker und und wissenschaftliche Assistent an der Universität Bern berichtet im Kurzinterview von seiner Arbeit an diesem von Martina Bär geleiteten Projekts. 

Worum geht es im Projekt – und was ist Deine Rolle?

Wir untersuchen historische Objekte mit religiösen Inhalten, in denen Bild und Text zusammenkommen: illustrierte Bücher, Flugblätter, Gemälde etc. Dabei geht es uns darum zu verstehen, welche geschlechtlichen Rollenvorstellungen diese Darstellungen abbilden und prägen.

Unser Team arbeitet dem Untersuchungsgegenstand entsprechend interdisziplinär. Ich bringe meine Perspektive als Kunsthistoriker ein.

Was bringst Du aus Deiner bisherigen Forschung ein?

In meiner Promotion erforsche ich die Vorstellung von Gott als Mutter in der Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts. Dazu gehören u. a. Darstellungen eines Christus, der stillt oder Gläubige schützt wie eine Henne. Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass diese Gottesbilder zu Vorbildern für Zeitgenossen wurden: Vor allem in Italien verbreitet sich so das Ideal des mütterlichen Mannes.

In unserer ELF-Gruppe möchte ich diesem Zusammenhang weiter nachgehen. Dazu betrachte ich in erster Linie Quellen aus der Hagiographie wie Heiligenviten, aber auch beschriftete Druckgrafiken, Predigten sowie klassische Archivalien wie Briefe, Verträge und Statuten.

Welche Rolle spielt Theologie für Deine Arbeit?

Uns Kunsthistoriker:innen begleitet die Theologie gleich ab dem 1. Semester. Das ergibt sich schon aus den Inhalten der vielen sakralen Kunstwerke, die wir im Studium kennenlernen. Seitdem ich mich auf Gottesbilder in der Kunst spezialisiere, sind die Erkenntnisse theologischer Forschung wesentlich für meine tagtägliche Arbeit, vor allem jene der Auslegungsgeschichte biblischer Texte.

In der Vergangenheit durfte ich als Gastwissenschaftler an der wunderbaren Maurits Sabbe Bibliothek der Theologie und Religionswissenschaft an der KU Leuven forschen. Der Austausch mit den Kolleg:innen vor Ort hat zu vielen neuen Ergebnissen und Perspektiven geführt. Mit verschiedenen disziplinären Prägungen einem gemeinsamen Erkenntnisinteresse nachzugehen, darüber freue ich mich nun auch in Graz.

Wie entstehen und verändern sich Geschlechterbilder?

Es geht bei unserer Forschung zum einen darum zu verstehen, welchen Vorbildern Menschen begegnen – und zum anderen, welchen Abwertungen. Für beides spielen Vorstellungen des Göttlichen eine wichtige Rolle.

Um nachvollziehen zu können, welche konkreten Bilder gesellschaftlich prägend bzw. anschlussfähig waren, müssen eine ganze Reihe von Faktoren mitbedacht werden: Ort, Zeit, die Zugänglichkeit von Medien und die Hintergründe ihrer Herstellung. Was z. B. in einem italienischen Heiligenbild des 16. Jahrhunderts ein wirksames Vorbild setzt, kann andernorts Grundlage einer Karikatur werden. Entsprechend vielstimmig sind die bisherigen Ergebnisse unserer Forschung. Den „einen“ Wandel zu beschreiben, wäre also schwierig.

Welche frühneuzeitlichen Vorstellungen wirken bis heute nach?

Hinsichtlich der Inhalte unserer Quellen gibt es einige normative Bilder, die uns heute ungewohnt erscheinen – Christus als Henne zum Beispiel. Andere Antworten, die in der Reformationszeit auf gesellschaftliche Fragen gegeben wurden, begegnen uns noch heute, etwa die Zusammensetzung einer „richtigen“ Familie.

Was die Wege der Normierung betrifft, gibt es einige Kontinuitäten. So verbindet unsere Gegenwart und die Frühe Neuzeit, dass die Kombination von Text und Bild ein präsentes und effektives Mittel zur Verbreitung normativer Bilder von Geschlechterrollen ist. Auch die Mobilität von Bildern ist damals wie heute erheblich. Schon im 16. Jahrhundert gab es eine globale Zirkulation von Bildern, die auch für die Frage nach Geschlechterrollen mitbedacht werden muss.

Gleichzeitig ist es wichtig zu fragen, was repräsentiert wird und wer unsichtbar bleibt. Wenn es z. B. in einer visuellen Kultur überhaupt keine Darstellungen weinender Väter gibt, können wir auch aus dieser Abwesenheit etwas lernen. Das gilt für den Blick in die Vergangenheit und für den auf unsere Gegenwart.

Hintergrund & Quellen

• Projektseite Universität Graz – Elisabeth-List-Fellowship

• Institut für Systematische Theologie und Liturgiewissenschaft – Projektbeschreibung

• Universität Bern – Torben Hanhart

Veranstaltungen

Die Ringvorlesung “Religion am Donnerstag” widmet sich im Wintersemester 2026/27 dem Thema “Value-based Leadership. Inter- und transdisziplinäre Perspektiven.”

ZeitKunst: Im Kunstgang der Fakultätsbibliothek läuft während des Wintersemesters die Ausstellung des Künstlers Dablju Ke “Lebenslinien. Experimente in unterschiedlichen Techniken.”

Save the date: Am 26. November werden die Elisabeth-Gössmann-Preise für hervorragende Arbeiten zur theologie- und religionsbezogenen Frauen- und Geschlechterforschung verliehen. 

Publikationen

Aigner, Maria Elisabeth: Trauer, Lebendigkeit und Liebe. Annäherungen an eine verborgene Trias, Diakonia 57 (2026), Heft 2: Trauerpastoral, S. 81–88.

Beitrags-/Heftseite (Herder)

Aysel, Aslıgül / Juen, Maria / Peter, Karin / Akca, Ayşe Almıla (verantwortlich für die Ausgabe): „Sinnfluencing“ im digitalen Zeitalter. Religiöse Bildung im Spannungsfeld pluraler Sinnstiftungen und Deutungsansprüche, Österreichisches Religionspädagogisches Forum (ÖRF) 34 (2026), Special Issue. Open Access.

Zeitschrift / Ausgabe (ÖRF)

Bauer, Ulrich / Harb, Gertraud / Klampfl, Thomas: Q 17:26–30, 34–35. As in the Days of Noah – One Taken, One Left (Documenta Q: Reconstructions of Q Through Two Centuries of Gospel Research – Excerpted, Sorted and Evaluated), Leuven / Paris / Walpole, MA: Peeters Publishers, 2026, XXXIII + 649 S. (Angabe der Fakultätsmeldung; Distributionskatalog: 683 S.) ISBN 978-90-429-5758-9 (Print); 978-90-429-5759-6 (eBook).

Verlagsdistribution / Bestellung (Peeters/ISD)

Bär, Martina / Pyschny, Katharina (Hg.): Theologische Genderstudien oder geschlechterbewusste Theologie? Ein Forschungsfeld in Bewegung (Religion – Geschlecht – Körper | religion – gender – bodies 4), Baden-Baden: Karl Alber, 2026, 258 S. ISBN 978-3-495-99031-5 (Print); 978-3-495-99032-2 (eBook). DOI: 10.5771/9783495990322.

Verlags-/Bestellseite (Karl Alber/Nomos)

Feichtinger, Christian / Lutz, Ralf (Hg.): Orientierung | Orientation, LIMINA – Grazer Theologische Perspektiven 9/1 (2026), 302 S.; veröffentlicht am 15.05.2026. Open Access.

Ausgabe online (LIMINA)

Hillebrand, Bernd: Trauerpastoral im Risiko des Frei-Gebens. Gegenseitiges Lernen im absichtsarmen Dasein, Diakonia 57 (2026), Heft 2: Trauerpastoral, S. 74–80.

Heft-/Bestellseite (Herder)

Larentzakis, Grigorios: Primat mit Synodalität. Die Stellung des Bischofs von Rom in der Gesamtkirche des Ostens und des Westens. Ein orthodoxer Vorschlag (orientalia – patristica – oecumenica 24), Wien: LIT Verlag, 2026, 388 S. ISBN 978-3-643-51280-2.

Verlags-/Bestellseite (LIT Verlag)

Rubeis, Giovanni: Ethik der KI in der Medizin, Cham: Springer, 2026, VII, 295 S. ISBN 978-3-032-14300-6 (Hardcover); 978-3-032-14301-3 (eBook). DOI: 10.1007/978-3-032-14301-3.

Verlagsseite / Bestellung (Springer Nature)

Trummer, Peter: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Freiburg im Breisgau: Verlag Herder, 2026, 192 S. ISBN 978-3-451-02450-4 (Print); 978-3-451-84449-2 (PDF).

Verlags-/Bestellseite (Herder)

Forschungsprojekte

  • Trust in AI-based Care Robots – Leitung: Mario Kropf, FWF, 09/2026–09/2028.
  • Das armenische Johannesevangelium. Kritische Edition (The Armenian Gospel of John. Critical Edition) – Leitung/Projektteam: Erich Renhart, Gohar Muradyan und Aram Topchyan, FWF, 2026-2023.
  • Governance Processes of Religious Diversity in Post-Socialist Southeast Europe (RelDiv-A) – Leitung: Evelyn Reuter, FWF, 2026–2028. Untersucht wird insbesondere die Rolle religiöser Minderheiten in interreligiösen Dialogen in Albanien.

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