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Verleihung Elisabeth-Gössmann-Preis

Dienstag, 30. Januar 2018, ab 16.00 Uhr im UZT, Heinrichstrasse 78, Erdgeschoss

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz lädt zur Verleihung des Elisabeth-Gössmann-Preises am Dienstag, 30. Jänner 2018, 16.00 Uhr, Universitätszentrum Theologie, Heinrichstraße 78, 8010 Graz, EG, sehr herzlich ein. Ausgezeichnet werden: Mag. Dagmar Giglleitner (Graz), Valeryia Saulevich MA (Graz), Dr. Andrea Qualbrink (Münster) und Dr. Barbara Velik-Frank (Finkenstein/Faak am See).

Mit diesem Preis fördert die Fakultät junge WissenschafterInnen, die sich in Ihren Arbeiten kritisch mit frauen- und geschlechterspezifischen Fragen in den christlichen oder anderen religiösen oder weltanschaulichen Traditionen auseinandersetzen und zugleich kreative Neuentwürfe entwickeln. Gefördert werden Habilitations,- Dissertations-, Diplom- oder Masterarbeiten. Die Arbeit muss an einer österreichischen Universität/Hochschule oder von einer Österreicherin / einem Österreicher an einer ausländischen Universität/Hochschule eingereicht worden sein.

 

Der Elisabeth-Gössmann-Preis wird heuer zum siebten Mal verliehen. Er ist nach einer deutschen Theologin benannt, die als eine der prominentesten Vertreterinnen der feministischen Theologie gilt. 1985 wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Universität Graz verliehen; darüber hinaus ist sie Ehrendoktorin der Universitäten Frankfurt am Main, Bamberg, Luzern und Osnabrück.

Theologische Frauen- und Geschlechterforschung hat in Graz Tradition: Im Juni 1994 hat die Katholisch-Theologische Fakultät per Beschluss den Schwerpunkt „Theologische Frauen- und Geschlechterforschung“ installiert. Im Jänner 1999 regte Professorin Anne Jensen die Einrichtung eines Preises in der Fakultät an, und schon im April 1999 wurde eine autonome Jury konstituiert. Die erste Preisverleihung fand am 12. Juni 2001 statt.

 

Informationen zu den Arbeiten der Preisträgerinnen 2018:

 

Mag. Dagmar Giglleitner

Titel der Arbeit: „Und siehe, da trat seine Tochter heraus“ - Ri 10,6-11,40 und die musikalische Rezeption in Georg Friedrich Händels Oratorium Jephtha

 

Ein Gott, der sein abtrünniges Volk an die Feinde ausliefert. Ein Kriegsherr, der mit einem Gelübde ebendiesen Gott zum Eingreifen bewegen will und tatsächlich den erhofften Sieg erringt. Und ein junges Mädchen, das unschuldig in diese politischen Wirrungen gerät und von ihrem eigenen Vater, besagtem Kriegsherrn, geopfert wird. Es handelt sich um die biblische Erzählung über den Regenten Jiftach, dessen Opferung der eigenen Tochter über Jahrhunderte Anlass für eine vielfältige Auseinandersetzung war – theologisch, literarisch und künstlerisch. Letzteres ist Anknüpfungspunkt für die vorliegende Arbeit, in der G. F. Händels Oratorium Jephtha als Beispiel für die produktive Rezeption eines Bibeltextes analysiert wird. Die szenische Aufführung des Oratoriums im Juli 2016 in Retz (NÖ) bot zusätzlich die Möglichkeit, sich mit einer aktuellen, zeitgenössischen Interpretation zu befassen. Die wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgt in drei Schritten: Zuerst wird Ri 10,6–11,40 mit historisch-kritischen und narratologischen Methoden exegetisch untersucht. Auf dieser Basis wendet sich der Blick zur Rezeption: Nach einem Streifzug durch die Rezeptionsgeschichte wird auch für das Oratorium zum einen das geschichtliche und kulturelle Umfeld beleuchtet und zum anderen das Libretto untersucht. Eine Analyse der Vertonung zeigt, dass erst im Zusammenspiel von Musik und Text auch die feineren Nuancen und Neuaktzentuierungen erkennbar werden. Im letzten Teil wird gezeigt, dass es der Inszenierung des Oratoriums in Retz durch die szenische Darstellung gelungen ist, das Potential des Händelschen Librettos wie auch des biblischen Textes auszuschöpfen und die Erzählung so neu zu interpretieren, dass sie auch in der heutigen Zeit Themen, Fragen und Spannungsfelder eröffnet, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben. 

 

Valeryia Saulevich MA

Titel der Arbeit: Das Verborgene achtsam enthüllen. Eine qualitative Untersuchung über die kirchlich geprägten körperlichen Wahrnehmungen russisch-orthodoxer Migrantinnen vor und nach der Emigration nach Österreich

 

Diese Untersuchung schafft den Rahmen für eine offene, sich an den persönlichen Erfahrungen von Frauen stützende Diskussion über den weiblichen Körper in der russisch-orthodoxen Kirche. Ihr Ziel besteht darin, die Körperwahrnehmungen der russisch-orthodoxen Migrantinnen im kirchlichen Kontext vor und nach der Emigration nach Österreich zu vergleichen. Drei Frauen aus Russland nehmen als Expertinnen an der Studie teil. Die Untersuchung baut auf den Prinzipien der qualitativen Sozialforschung auf. Die Forscherin experimentiert mit drei Methoden, die in einer kreativen Werkstatt verbunden werden: Skulpturieren mit Egli-Figuren, Schreiben und Erzählen. Da die Reflexion bei dieser Methodik nicht im Vordergrund steht, können die teilnehmenden Frauen näher an ihre sinnlichen und emotionalen Erlebnisse gelangen. Beim Vergleich der drei Fälle werden einerseits ähnliche oder gleiche Begriffe, Vorstellungen und Muster deutlich, die in der Kirche eingelernt werden. Diese werden aber von einzelnen Personen unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert und in die Selbstbilder integriert. Die Zurückhaltung wird in der russisch-orthodoxen Kirche als eine geeignete Umgangsform mit dem Körper angesichts seiner Unvollkommenheit betrachtet. Von den Frauen wird verlangt, dass sie in ihrem Aussehen und Verhalten der Inbegriff der körperlichen Zurückhaltung sind. Die Individualität der Frauen wird unterdrückt und ihre Erfahrungen werden nicht berücksichtigt, aber sie passen sich dem kirchlichen Frauenbild trotzdem an, um die Befreiung in der liturgischen Praxis zu erleben und nach den sinngebenden Inhalten weiter suchen zu können. Die Emigration weitet den kirchlichen Rahmen für die Frauen aus und macht eine Auseinandersetzung mit der religiösen Tradition möglich. Frauen geht es dabei darum, ihre heimische Tradition in den neuen kulturellen Kontext zu integrieren. Wie sie mit ihrem Körper umgehen, hängt mit dem Gelingen oder Misslingen der Integration zusammen. 

 

Dr. Andrea Qualbrink

Titel der Dissertation: Frauen in kirchlichen Leitungspositionen. Möglichkeiten, Bedingungen und Folgen der Gestaltungsmacht von Frauen in der katholischen Kirche. Eine empirische Studie an deutschen Ordinariaten und Generalvikariaten 

 

Die Dissertation widmet sich den Aufstiegs- und Führungserfahrungen von Frauen in hohen Leitungspositionen in bischöflichen Ordinariaten deutscher Bistümer. Zu Grunde gelegt wird ein geschlechterbewusster, pastoraltheologischer Ansatz. Nach einer inhaltlichen und begrifflichen Hinführung wird der Diskurs über das Thema „Frauen in kirchlichen Leitungspositionen“ in der katholischen Kirche Deutschlands seit dem Hirtenwort aus dem Jahr 1981 nachgezeichnet. Im Anschluss zeigt die Betrachtung der Konstellationen „Kirche – Führung/Leitung“, „Frauen – Kirche“, „Frauen – Führung“ und der Gesamtkonstellation „Frauen – Kirche – Führung/Leitung“ die unterschiedlichen Problemhorizonte für den Aufstieg und das Führen von Frauen in hohen kirchlichen Leitungspositionen, speziell in Ordinariaten auf. Eine Grounded-Theory-Studie im zweiten Teil der Arbeit fokussiert die Forschungsfrage: Was macht Frauen in hohen kirchlichen Leitungspositionen handlungsfähig? Wie erlangen Frauen eine hohe Leitungsposition in einem Ordinariat? Wie nehmen sie ihre Situation wahr? Was motiviert sie? Wie agieren sie? Welche Entwicklungen auf Grund ihrer Leitungstätigkeit – im Blick auf sich selbst, das Ordinariat und die Kirche – beobachten sie? Als Kernkategorie wird ‚Nüchtern gestalten‘ aus dem Datenmaterial herausgearbeitet. In der Reflexion der empirischen Ergebnisse werden gesellschaftliche bzw. symbolische, personale und organisationale, förderliche und erschwerende Faktoren für den Aufstieg und die Führungstätigkeit von Frauen in hohen kirchlichen Leitungspositionen auf der Folie der im ersten Teil der Arbeit dargestellten Problemhorizonte diskutiert. Abschließend wird erläutert, dass Frauen in hohen kirchlichen Leitungspositionen die Organisation Kirche in systemtheoretischer Perspektive „stören“ und sich eben diese produktive Irritation als Innovationschance im Blick auf Inhalte und Methoden, Struktur und Kultur der Organisation und hinsichtlich der Institution Kirche als Ekklesiogenese erweist. 

 

Dr. Barbara Velik-Frank

Titel der Dissertation: Die Donaupriesterinnen "Danube Seven". Grundlagen, Motive und Relevanz einer heterotopen Provokation 

 

Die Dissertation beschäftigt sich mit dem Phänomen der „sieben Donaufrauen“, eine Gruppe katholisch sozialisierter Frauen, die sich 2002 auf einen Donauschiff, gegen das bestehende kirchliche Gesetz („contra legem“) zu katholischen Priesterinnen weihen ließen. Das Phänomen der Weihe „contra legem“ wird in fünf Kapiteln dargestellt. Die in den Kapiteln zwei und drei dargestellte soziologische Analyse, deckt den Zusammenhang zwischen katholisch-biographischer Prägung und die Rolle der katholischen Kirche als „inner-gesellschaftliches System“ mit einer eigenen Diskurspraxis auf. Als Motivationsfaktor der Weihe „contra legem“ lässt sich ein kirchliches Deutungsmuster identifizieren, in dem „der Frau“ eine bestimmte Funktion zugeschrieben wird. Die Weihe auf dem Donauschiff zeigt sich dabei als Symbolhandlung mit einer äußeren und einer inneren Phänomenstruktur und deckt vier handlungsrelevante Bereiche, nämlich Identität, Schuld und Macht im System Kirche sowie einer daraus resultierende notwendigen Positionierung auf. In ihrer kirchlichen Relevanz zeigt sich die Weihe auf dem Donauschiff als Heterotopie, die sich als Andersort zum „kirchlich Normalen“ präsentiert. Die innerkirchliche Machtdiskussion wird somit gleichzeitig zu einer „Systemdiskussion“. In der Weihe „contra legem“ lässt sich unter anderem der Wunsch nach einer innerkirchlichen Umgestaltung erkennen, den die Donaufrauen experimentell umsetzen und so die dekonstruktivistischen Anforderungen der Postmoderne umgehen. 

 

 

Die PreisträgerInnen der vergangenen Verleihungen:

 

2001

Dr. Silvia Arzt, Salzburg

Mag. Maria Katharina Moser, Wien

 

2003

Dr. Veronika Prüller-Jagenteufel, Wien

Dr. Ursula Rapp, Graz

 

2006

Mag. Renate Dissertori, Innsbruck

Mag. Christine Gasser, Innsbruck

Dr. Maria Katharina Moser, Saarbrücken

Mag. Brigitte Öfner, Graz

 

2008

Mag. Christian Feichtinger, Graz

Mag. Elisabeth Oberleitner, Wien

Dr. Christina Leisering, Dortmund

Dr. Andrea Taschl-Erber, Wien

 

2010

Mag. Edda Strutzenberger, Wien

 

2014

Dr. Nina Kogler, Graz

Mag. Edith Petschnigg, Graz

Mag. Elisabeth Rifeser, Graz

 

Mag. Petra Wlasak, Graz

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