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Dienstag, 09.06.2026

Wenn Fußball zur Frage der Gerechtigkeit wird

Ein Fußball ©Udo Herrmann

Die Fußball-WM 2026 startet am 11. Juni. Doch wie gerecht ist dieses Sportevent der Superlative? Ein Symposium an der Uni Graz geht dieser Frage nach. Foto: U. J. Alexander - stock.adobe.com

Zum Start der Fußball-WM 2026 diskutiert ein Symposium an der Universität Graz die sozialen, ökologischen und ethischen Schattenseiten des Großevents

Wenn für den Bau eines Fußball-Stadiums in Mexico-City sozial-schwächeren Menschen sauberes Trinkwasser abgegraben wird, dann stellt das einen Verstoß gegen die Menschenrechte dar und ist auf mehreren Ebenen ein massives ethisches Problem. Gerade große Organisationen, wie der weltweit agierende Fußballverband FIFA, sollten da eine besondere Vorreiter-Rolle einnehmen und auch Vorbilder im Hinblick auf Menschenrechte, Fairness und Nachhaltigkeit sein, mahnen der Ethiker Thomas Gremsl sowie die Juristen Andreas Joham und Johannes Steiner. Die Forscher zeigen in einem Symposium am Eröffnungstag der WM am 11. Juni auf, welchen Beigeschmack das Großevent Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hinsichtlich der sozialen, völkerrechtlichen und ethischen Perspektiven mit sich bringt. 

Ein Groß-Event verteilt auf drei Länder

Allein, dass sich die Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschafft über drei Staaten (Mexiko – USA – Canada) erstrecken, macht Gremsl, Joham und Steiner stutzig: „Abgesehen von den mehr als 1000 Kilometern, die teilweise zwischen den Spielstätten liegen und per Flugzeug bestritten werden müssen, ist das ein unfassbarer logistischer Aufwand für Teams und Fans, der nicht zu unterschätzen ist. Regionalität kann so nicht gelebt werden.“ Von einer Balance aus ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten kann also nicht gesprochen werden, hier kommt es insgesamt zu einer massiven Schieflage. „Das wird 2030 noch getoppt: Da findet das Sportevent gleich auf drei Kontinenten – Südamerika, Afrika und Europa – statt!“ 

„Wir beobachten, dass bei der WM-Vergabe immer weniger demokratische Länder und mehr Staaten mit einem autokratischen Verständnis zum Zug kommen“, geben die Forscher zu bedenken. „So war es auch 2022 in Katar.“ Dazu kommt noch, dass die USA aktuell Visa-Verbote gegen viele Teilnehmernationen wie den Iran aufrechterhalten. 

Erste, zweite Spielhälfte – Nachspielzeit

Das Symposium am 11. Juni 2026 wird vom Institut für Ethik und Gesellschaftslehre sowie vom Institut für Öffentliches Recht und Politikwissenschaft veranstaltet. In zwei Panels diskutieren Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis zentrale Fragen des modernen Fußballs. Ab 16:30 Uhr beleuchten Anna Karger-Kroll (Ethikerin), Ralph Janik (Völkerrechtler) und Maximilian Lakitsch (Friedensforscher) unter dem Titel „Das Spiel hinter dem Spiel“ die politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Dimensionen internationaler Fußballturniere und werfen einen Blick auf den Machtapparat FIFA. Dabei geht es auch um Interessenkonflikte, Sicherheitsfragen und die Verantwortung großer Sportorganisationen. Ab 18:30 Uhr richtet das Panel „Der Ball muss rollen – aber wohin?“ den Blick auf die Praxis. Wolfgang Bartosch (Präsident des Steirischen Fußballverbandes sowie ehemaliger ÖFB‑Präsident), Christian-Petru Ciochirca (FIFA‑Schiedsrichter), Jasmin Pistotnik (Trainerin) und Kapitän von SK Sturm Graz, Stefan Hierländer, sprechen über aktuelle Herausforderungen, strukturelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven im österreichischen Fußball. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Public Viewing des WM-Eröffnungsspiels zwischen Mexiko und Südafrika.

Und die Praxis kommt zum Schluss? Bei einem gemeinsamen Public Viewing im HS 15.03 wird das Eröffnungsspiel der Fußball‑Weltmeisterschaft 2026 zwischen Mexiko und Südafrika (Anpfiff: 21:00 Uhr) gezeigt. 

Erstellt von Konstantin Tzivanopoulos

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