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Donnerstag, 18.06.2026

Dem Taufboom in Frankreich auf der Spur

DBK in Frankreich - Gruppenfoto ©Deutsche Bischofskonferenz

Bernd Hillebrand berichtet über seine Wahrnehmung einer katechumenalen Transformation von Kirche.

 

Nach einer Woche von Begegnungen mit unterschiedlichen Personen der französischen Kirche in Paris bin ich beeindruckt von dem Aufbruch und den Veränderungen durch Taufbewerber:innen in Frankreich. Es waren persönliche Begegnungen und ein kontextuelles Eintauchen, das mir einen anderen Blick eröffnete, als was ich bisher in Interviews und Recherchen über den enormen Anstieg von Erwachsenentaufen lesen konnte. Diese Eindrücke dürfen jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass diese Entwicklung die Säkularisierung nicht aufhält und die Gesamttaufzahlen dennoch rückläufig sind. 

Junge Menschen suchen aus eigenem Antrieb nach Orientierung, Identität und Transzendenz, weil sie der Welt allein nicht mehr trauen, weil sie die Welt als unsicher erleben und weil sie tiefere Antworten auf ihre eigene Existenz suchen. 

Taufbewerber erzählten uns in Gesprächen, dass Social Media und geistliche Gemeinschaften für sie nur ergänzend wichtig waren, es aber vielmehr persönliche Begegnungen waren, die sie auf die Suche nach einem Kirchturm brachten. Dort fanden sie meist eine Person am Empfang, die sie an die Verantwortlichen der Taufvorbereitung verweisen konnte. Und dann begann ein Vorbereitungsweg von zwei Jahren. Impulse von Priestern oder Pastoralreferent:innen oder von persönlichen Ansprechpersonen aus den Gemeinden begleiteten sie zu der Entscheidung für eine Aufnahme ins Katechumenat und schließlich zur Zulassungsfeier im Dom mit dem Bischof. 

Schon seit 80 Jahren hat die Kirche Frankreichs Modelle des Katechumenats entwickelt und ist daher in der Begleitung von Taufbewerber:innen sehr erfahren. Seit 1905 ist Frankreich ein laizistischer Staat und seitdem spielt Religion in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr. Die Verantwortlichen in Kirche sind es auch gewohnt, dass sie gesellschaftlich keine Rolle spielen, dass sie keine Macht- und Besitzansprüche haben, sondern sich in einer spirituellen Nische befinden. 

Nun aber ließen sich in diesem Jahr 21.380 Erwachsene und Jugendliche in Frankreich taufen, und dies verändert in Diözesen und Pfarren einiges. Wenn sich in einer Pfarre nur zwei oder drei Erwachsene taufen lassen, dann hat dies für sie fast keine Auswirkungen. Sind es jedoch 20 bis 30 Personen, dann wird das Katechumenat zu einer zentralen Aufgabe einer Pfarre und andere Aufgabenfelder treten zurück. Die Franzosen sprechen von einer katechumenalen Transformation von Kirche.

Pastoraltheologisch ist dabei äußerst interessant, dass Kirchengemeinden eine zentrale Bedeutung in der Begleitung von Bewerber:innen haben. Sie stellen einen stabilen Ort dar, der kleine Gemeinschaften für die Taufinteressierten bilden lässt und einen zuverlässigen Raum für „Ruhe und inneren Frieden“ bieten kann, wie sie ihn selbst bezeichneten. Außerdem ist bemerkenswert, wie die Begleiter:innen der Taufbewerber:innen selbst theologisch, psychologisch und spirituell-geistlich begleitet werden. Es werden kontinuierliche Schulungen und Fortbildungen für die Ehrenamtlichen angeboten, die andere begleiten. Durch die starke Anfrage von Menschen an Kirche wird sie selbst zur Hörenden und vor allem dann auch zur Begleitenden. Dies ist womöglich eine Dimension, die in der österreichischen Kirche neu entdeckt und strukturell eingeholt werden könnte. 

Bei aller Begeisterung und trotz des beeindruckenden Aufbruchs in Frankreich darf der Fokus nicht nur auf das Katechumenat gerichtet sein, darf es nicht zu einer katechumenalen Verengung kommen, sondern bleibt der Auftrag von Kirche, sowohl Menschen in der Suche nach der Beziehung zu Christus zu begleiten als auch Christus im leidenden und benachteiligten Mitmenschen zu entdecken. Ob eine ähnliche Entwicklung auch nach Österreich kommen wird oder ob sie bereits begonnen hat, lässt sich momentan nicht prognostizieren. Sie fordert jedoch heraus, bereits jetzt sensibel für die Begleitung und das Hören auf Menschen zu werden und diese über eigene Strukturerhaltungslogiken zu stellen. 

 

Zum Weiterlesen: Kathpress-Interview mit Bernd Hillebrand

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Aufbruchstimmung in der Kirche

Bernd Hillebrand ging auf einer Studienreise mit der Deutschen Bischofskonferenz in Frankreich dem Phänomen der Erwachsenentaufen nach.

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