Zeitgenössische Organisations- und Führungskontexte stehen unter dem Eindruck multipler und komplexer Transformationsprozesse. Ökologische Krisen, technologische Disruption (KI-gestützte Arbeitswelten), soziopolitische Fragmentierung und erheblicher ökonomischer Druck fordern etablierte Steuerungs- und Führungsmodelle fundamental heraus. Angesichts dieser Komplexität erweisen sich rein technokratische oder primär shareholder-value-orientierte Managementparadigmen als unzureichend für die Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen.
Gefragt ist eine gleichermaßen theoretisch und empirisch belastbare, anthropologisch fundierte und ethisch reflektierte Neuausrichtung: Value-based Leadership – Werteorientierte Führung. Das Konzept versteht Werte nicht als abstrakte Postulate, sondern als konstitutive ordnungspolitische und organisationale Kernvariablen, die Entscheidungsprozesse in Institutionen grundlegend strukturieren und legitimieren und dabei allererst dem Menschen als einem moralischem Subjekt gerecht werden.
Im Zentrum der diesjährigen Ringvorlesung Religion am Donnerstag stehen daher Fragen, wie normative Orientierungssysteme unter den Bedingungen der Gegenwart operationalisiert werden und für Führungs- und Leitungsaufgaben Wirkung entfalten können. Dabei sollen namhafte Stimmen aus Wissenschaft und Praxis zu Wort kommen. Die Ringvorlesung widmet sich dabei auch den inhärenten Spannungsfeldern dieses Forschungsfeldes: Wie transformiert man ethische Prinzipien (wie Integrität, Verantwortung, Nachhaltigkeit) in Indikatoren des Organisationshandelns? Oder wie lassen sich systemische Dilemmata auflösen, wenn ökonomische Sachzwänge, rechtliche Rahmenbedingungen und moralische Ansprüche konfligieren?
Die Komplexität des Phänomens Führung erfordert die Überwindung disziplinärer Verengungen. Die Veranstaltungsreihe verfolgt daher einen integrativen Ansatz, der interdisziplinäre Zugänge mit transdisziplinären Perspektiven verbindet. Im Sinne einer responsiven Wissenschaft beschränkt sich die Reihe nicht auf die immanente akademische Debatte. Durch die gezielte Triangulation von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft initiieren wir einen reziproken Wissenstransfer.
Ziel der Ringvorlesung ist es, den aktuellen Forschungsstand kritisch zu reflektieren, bestehende Desiderate aufzuzeigen und einen Beitrag zur disziplinenübergreifenden Theoriebildung im Bereich einer verantwortungsvollen Governance zu leisten.
Herzliche Einladung dazu!
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Das Organisationsteam: Thomas Gremsl, Ralf Lutz, Giovanni Rubeis