Mit einer gemeinsamen Erklärung haben die Katholisch-Theologischen Fakultäten und Pädagogischen Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft in Österreich gegen rechtsautoritäre und rechtsextreme Tendenzen in Gesellschaft und Kirche Stellung bezogen. Die Unterzeichner:innen bekräftigen damit ihr gemeinsames Engagement für Demokratie, Menschenwürde, Pluralität und Menschenrechte. Ausgangspunkt der Stellungnahme, die von einer Grazer Arbeitsgruppe initiiert worden ist, ist die Beobachtung, dass christlich-nationalistische Strömungen und rechtspopulistische Ideologien in Europa und Österreich zunehmend an Sichtbarkeit und Einfluss gewinnen. Die Hochschulen warnen vor Versuchen, christliche Symbole, religiöse Sprache und Glaubensinhalte zur Legitimation von antipluralistischen, autoritären und rechtspopulistischen Ideologien bzw. Positionen zu instrumentalisieren. Eine solche Vereinnahmung widerspreche dem christlichen Menschenbild ebenso wie den Grundwerten einer offenen und demokratischen Gesellschaft. „Wir wollen nicht erst dann sprechen, wenn sich Extremismus bereits verfestigt hat. Theologische und kirchliche Ausbildungsstätten haben auch einen präventiven Bildungsauftrag. Demokratie lebt davon, dass wir problematische Entwicklungen früh erkennen, kritisch reflektieren und öffentlich benennen“, betont Katharina Pyschny, Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Graz.
Mit ihrer Erklärung verbinden die Hochschulen ausdrücklich den Aufruf, sich in der Hochschulbildung aktiv gegen christlich-nationalistische Tendenzen einzusetzen. Die Katholisch-Theologischen Fakultäten und die Pädagogischen Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft tragen nach Ansicht der Unterzeichner:innen eine besondere Verantwortung, demokratiepolitische Bildung zu stärken, kritisches Denken zu fördern und Studierende zu befähigen, politisch aufgeladene religiöse Narrative und Symboliken differenziert zu reflektieren. „Theologische und kirchliche Bildungsinstitutionen sind Orte der kritischen Reflexion von Glauben und Vernunft. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Förderung einer pluralitätssensiblen Bildung, zur demokratischen Resilienz und zur Prävention religiös legitimierter Extremismen“, heißt es in der Stellungnahme. Die Unterzeichner:innen rufen Verantwortungsträger:innen in Kirche, Politik, Wissenschaft und Bildung dazu auf, sich klar gegen christlich-nationalistische Gruppierungen mit rechtsextremen Ideologien zu positionieren und gemeinsam für eine offene, demokratische und menschenwürdige Gesellschaft einzutreten. „Wir treten jeglicher Form von Diskriminierung, Antifeminismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entschieden entgegen“, betonen die Unterzeichnenden.
Unterzeichnet wurde die Stellungnahme von den Dekaninnen und Dekanen Prof. Klara Antonia Csiszar (KU Linz), Prof. Wilhelm Guggenberger (Innsbruck), Prof. Andrea Lehner-Hartmann (Wien), Prof. Katharina Pyschny (Graz), Prof. Dietmar Winkler (Salzburg) sowie von den Rektorinnen und Rektoren Ulrike Greiner (KPH Wien/NÖ), Nikolaus Janovsky (KPH Edith Stein), Johannes Reitinger (Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz), Andrea Seel (Private Pädagogische Hochschule Augustinum) sowie von Sabine Weisz (Private Pädagogische Hochschule Burgenland).
Die Stellungnahme markiert den Auftakt zur Entwicklung und Umsetzung konkreter Maßnahmen für eine demokratiesensible (religiöse) Hochschulbildung an den jeweiligen Standorten.
Berichterstattungen
Theologische Fakultäten und Hochschulen setzen Zeichen gegen Rechts (KathPress)
Österreich: Unis und Hochschulen setzen Zeichen gegen Rechts (religion.ORF.at)